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Das Gesellschaftsleben

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

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Großstadt-Dokumente Bd. 50. Neu-Berlin.

wohnen, daß sie selbst mit der elektrischen Bahn eine halbe Stunde gebrauchen, um von einem zum anderen zu kommen.

So ist es zur Sitte geworden, sich gegenseitig einzuladen. Man ladet sich telephonisch ein, indem die Hausfrau durch den Apparat zu einem ganz gemütlichen kleinen Beisammensein bittet — die Herren wollen Skat spielen — oder man ladet sich mittels einer offenen Postkarte ein, durch ein paar flüchtige Zeilen, die den intimen Charakter des Abends ausdrücken sollen.

Oder die offizielle Einladung.

Wie eine Lawine schüttet sie sich über den unglücklichen Großstädter. Erst rieselt sie in einzelnen wenigen Exemplaren am Ansang des Winters hernieder und schon gegen Mitte der Saison wird der Strom stärker und schwillt immer mehr an, so daß der arme Erdenbürger unter der Last der vielen weißen Kärtchen erdrückt wird. Matt und regungslos sitzt er schließlich die letzten der Einladungen ab, um, wenn die Frühlingsdüfte des Aprils über die abgebrauchten Saisonmenschen wehen, müde seine Knochen und den überladenen Magen in ein Sanatorium zu schleppen oder sich aus die karlsbader oder Marienbader Reise vorzubereiten, die ihn wieder in Stand setzen soll, die nächstjährigen Ginladungen frisch über sich ergehen zu lassen.

So eine Einladungskarte ist ein harmloses Ding. Aus einfachem weißen Papier steht in zierlicher Schrift die höfliche Bitte lithographiert, Herr Soundso möchte sich das Vergnügen machen, Herrn Anderssoundso und Frau Gemahlin die Ehre zu geben, am Soundsovielten einen Löffel Suppe um 67a Uhr oder ein Souper um
        
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