Path:
Die Straße Abends am Potsdamer Platz

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

Die Straße.

19

tänzelt von den hohen Kandelabern, alles in eine festfrohe, bengalische Stimmung gießend.

Die Elektrischen surren, die Autos pusten, die Droschkenkutscher schimpfen, und ich stehe am Torhäuschen und stelle mir das erstaunte Gesicht des alten würdigen Wächters von anno Dazumal vor, wenn er plötzlich aufwachen und sein liebes Potsdamer Tor so vollständig in „Unordnung" finden würde.

Es lachen die Mädchen, die aus den Geschäften kommen, und tuscheln sich von „ihm" ins Ohr und von Herrn Lehmann, dem Vorsitzenden des Vereins „Blaue Schleife", der neulich auf dem letzten „Abend" so entzückend das Lied von den „Rosan, Tulpan, Nelkan" gesungen hat. Und Hedwig erzählt von einem alten Herrn, der... na ... Pfui überhaupt die alten Herren!... Und Paula schwärmt von der Kunstausstellung, und Lieschen deklamiert ein Gedicht, das „ihr Dichter" ihr heute geschickt hat, und Grete muß „schnell machen", da sie erwartet wird.

Unter den kecken lustigen Hüten kecke lustige, liebe-bützende Augen, schalkhafte Mündchen, wiegende Hüften und schlanker Gazellenwuchs.

Die Füßchen trippeln unter dem schwarz mtd weiß Karierten Rock — fußsrei fertig zum Gebrauch von 20 Mark abwärts —, die Brüste dehnen sich unter den duftigen Blusen, und ein paar weiße Heftfäden aus dem Atelier bleiben schamhaft der kleinen fleißigen Arbeiterin treu und begleiten sie durch alle Gefahren imd Freuden des Abends.

Hoch über ihnen aber schwebt stolzen wiegenden Ganges die Königin des Hausvoigteiplatzes, Berlins Kon-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.