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Die Straße

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

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Großstadt-Dokumente Bd. 50. Aeu-Berlin.

Wohnung „elektrisch". Er hat es nicht nötig, seine Pedale die Treppen hinaufzubewegen, da ein selbsttätiger Fahrstuhl ihm diese Bemühung abnimmt, seine Frau und sein Dienstmädchen brauchen sich nicht um warmes Wasser zu kümmern, ebensowenig, wie sie die Zimmer zu heizen verpflichtet sind. Alles muß nach dem Miets-kontrakt mitgeliefert werden.

Wie seine Wohnung, so liebt der Berliner auch seine Straße. Aber mit der Zeit hat der Verkehr derartige Dimensionen angenommen, daß die Straße kaum noch die Menschen fassen kann, die hinüber eilen. Zwar hat der Berliner keine Zeit, spazieren zu gehen und deshalb gelingt es nicht, einen Korso einzurichten, wie in Paris, London oder Rom. Die Versuche scheiterten an elenden Taxameterdroschken und an den Rowdies, die sich unter die Aristokraten mischten, denn diese beiden Kategorien sind die einzigen unter der Bevölkerung, die nichts zu tun haben.

Der Berliner ist aus der Straße, wenn er geschäftliche Besuche macht, wenn er in sein Bureau geht oder wenn er nach Hause fährt. Und selbst unsere Frauen laufen nur herum, um einzukaufen. Allerdings haben Frauen immer etwas einzukaufen und die Mittagsstunden zwischen zwölf und zwei Uhr locken bei schönem Wetter die Damen auf die Straße und in die Warenhäuser.

Die elektrischen Bahnen schlendern zwischen den Häuserreihen — in den Hauptstraßen ist ihre Fahrgeschwindigkeit aus ein Minimum beschränkt. Hunderte von Autodroschken, die den Pferdetaxameter — der Volksmund nennt ihn „Hafermotor" — schon fast unmöglich gemacht haben, tuten und stinken und Geschäfts-
        
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