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Vorwort

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

8	Großstadt-Dokumente	33b. 50. Neu-Berlin.

und wir wanderten wie zu einer Schaustellung vor die Fenster dieses Ladens, um die neue Erfindung zu betrachten.

Vor: einem Grotz-Berlin konnte man damals noch nicht sprechen. Alle Ortschaften, die jetzt mit der Mutterstadt so eng verbunden sind, daß es an manchen Stellen selbst für den Einheimischen schwer ist, festzustellen, ob er nicht mit einem Bein in Schöneberg zum Beispiel und mit dem anderen in Wilmersdors steht, waren durch lange öde Sandflächen oder spärliche Wiesen in weite Fernen gerückt.

Für mich bedeutete ein Spaziergang nach der Gegend, wo jetzt das Ioachimsthaler-Gymnasium steht, eine Landpartie. Und dabei war mein Elternhaus nicht weit von der Charlottenburger Brücke entfernt. Wo heute der stolze Bau des Terraffenrestaurants in die Höhe ragt, befand sich eure kleine Holzbude, in der ein ehemaliger Maurerpolier eine Badeanstalt „managete".

Wir Schüler pilgerten jeden Nachmittag nach Halensee hinaus, mutzten aber unsere eigenen Beine dazu benutzen, da keinerlei Fahrverbindung existierte. An Kohlgärten und Baumschulen vorbei ging der Weg, dann kletterten wir über die hohen Sandwälle, die für die zu erwartende Stadtbahn ausgeschüttet waren. Wie durch die Wüste Gobi zogen wir, durch den Sand watend, und freuten uns auf das erfrischende Bad.

Wenn ich jetzt dreißig Jahre zurückdenke, mutz ich, der ich der Entwickelung meiner Vaterstadt beigewohnt habe, staunen, wie es möglich war, datz sich das Stadtbild so ungeheuer verändern konnte.

Die Eltern eines Schulfreundes von mir wohnten in einer kleinen Villa in der Leibnizstratze in Eharlottenburg,
        
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