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Vorwort

Full text: Neu-Berlin / Edel, Edmund

6	GroWadt-Dokumente	Bd.	50. Neu-Berlin.

Ich entsinne mich, wie damals die Nachricht und die Depeschen aus dem Kriege zu uns kamen. Es war nicht wie heute, wo ein Ereignis, das Tausende von Meilen von uns entfernt stattgefunden hat, ein paar Stunden später in Extraausgaben der Hauptzeitungen an allen Ecken von Groß-Berlin sofort dem Publikum mitgeteilt wird. Wir Iungens damals hatten eine Art Staffetten-dienst eingerichtet und liefen den Depeschenträgern, die aus Berlin zu Fuß kamen, bis zum großer: Stern und noch weiter entgegen und rannten dann mit den Extrablättern triumphierend nach Lharlottenburg zurück. Triumphierend und stolz rannten wir atemlos. Atemlos wie Siegesboten. In unserer jungen Brust schwoll das Gefühl, teil zu haben an der Entwickelung einer neuen Zeit.

Ich sah dem Einzug der Truppen zu, die mit Eichenlaub geschmückt vorn Feldzug zurückkehrten. Ich habe mit meinem Vater, der als Arzt in den Garnisonlazaretts beschäftigt war, die verwundeten Turkos besucht und die großen Scharen der anderen französischen Besiegten. Und der tolle Iubel, der bei den Festen erscholl, die man unseren heimgekehrten tapferen Soldaten gab, ließ in meinem Ainderherzen einen nie verklingenden Widerhall zurück.--------

Dann kamen die Gründerjahre und mit ihnen der Goldregen über Berlin, den die Milliarden der Franzosen ' über uns ausschütteten. Es war, als wenn einer, der lange gedarbt hatte, plötzlich durch eine Erbschaft oder einen Lotteriegewinnst zu Geld gekommen war. übermäßig wirtschaftet er dann. Er kennt den Wert des Geldes nicht recht und schätzt ihn nicht. Er wirft es leicht heraus, so leicht wie er es gewonnen.
        
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