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Spieler und Schieber

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

82 Großstadt-Dokumente Bd. 30. Lebeweltnächte der Friedrichstadt.

diesem Volke eine sichere Unterkunft zu gewähren. Da sie von anständigen Leuten frei sind, würde eine schärfere polizeiliche Kontrolle ihrer Lokale ihren wirtschaftlichen Ruin zur Folge haben.

Buchmachen ist verboten, Glücksspiele sind untersagt Merkt man in der Residenzstadt Berlin in dieser Beziehung etwas vom Gesetze? Nach wie vor werden in aller Freiheit Wetten gelegt; nach wie vor wird gepokert, getippelt und hazardiert. Die kleinen Diebe hängt man, die großen läßt man laufen. Alle vierzehn Tage kommt die Meldung aus Hoppegarten oder Karlshorst, daß dieser oder jener Buchmacher in „Sicherheit" gebracht wurde. Meistens sind das armselige Leutchen, die kaum einen Blauen zu Buch bringen. Die aber, die Tausende legen und die jeder Berliner Oberkellner kennt, stehen unbehelligt und freuen sich ihres Daseins. Die Wett-bureaus hat man aufgehoben. Nach wie vor aber flitzen die Botenjungen früh morgens von Buchmacher zu Buchmacher, um die Wettorders abzuholen. Wohin diese ulkigen Jungen wohl mit diesen Orders fahren mögen?

Immerhin ist es etwas besser geworden. Die fortdauernde Arbeit unserer Presse hat etwas Schwung dahinter gebracht, und seit sich auch das Ministerium des Innern nach dem DebLcle des Klubs von 1900 wieder etwas energischer dieser Angelegenheiten angenommen hat, ist ein Bestreben der Polizeibehörde zur Unterdrückung dieser parasitären Großstadterscheinungen wohl zu bemerken.

Natürlich treffen auch die Spieler und Schieber ihre Gegenmaßregeln, gilt es doch ihren Erwerb und ihre Existenz. So haben sich die begütertsten von ihnen seit einiger Zeit entschlossen, ihre Tätigkeit aus den Caf6-häuseru fort in gewisse Privatwohnungen zu verlegen, weil dort die Sicherheit eine größere ist und man un-
        
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