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Spieler und Schieber

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

Spieler und Schieber.

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kunst; dazwischen gewöhnliche Zuhälter mit ihren Weibern, Einbrecher, Hehler und Schlepper.

Cafv Keck in der Passage: beim letzten Billard (das nicht benutzt werden darf) Grafen und Barone, Offiziere u. dgl. von abends 9 Uhr oft bis morgens um 5 oder 6 Uhr. Hinten, wo die beiden anderen Billards stehen: Schieber und Buchmacher; Mauscheln mit einem Stamm von zwei bis vier Mark, von 4 bis 10 Uhr.

Caf6 Bavaria (Koch- und Charlottenstraße Ecke): eine große Anzahl jüdischer Spieler, Zuhälter und Schieber von 4 bis 10 Uhr. Ein kleines Eckzimmer mit Tapetentür (nach der Charlottenstraße zu) birgt die Geheimnisse. Hier ließen sich besonders über ein Spielchen Studien machen, das der Berliner Schieber „Tippeln" nennt.

Die Liste ist unerschöpflich, man könnte sie. wie gesagt, weit ausdehnen, und wenige Caf^häuser würden dabei verschont bleiben. Man spielt in Berlin unter den Augen der heiligen Hermandad mit einer Ungeniertheit, die jeder Beschreibung spottet. In allen Cafes sitzen gerichtsnotorische Schieber, Zuhälter, Verbrecher, gewerbsmäßige Spieler und dergleichen in Massen. Sie faulenzen sich durch den Taq und jubeln sich durch die Nächte. Der großstädtische Verkehr macht es unsern Eafehäusern, deren Leiter meist nicht die geringste Schuld trifft, absolut unmöglich, die schwarzen von den weißen Schafen zu trennen; sie wären gewiß die ersten, die es freudig begrüßen würden, wenn die Behörde ihnen behilflich wäre, ihre sckönen Lokale zu säubern. Wie die Dinge liegen, müssen sie es sich aber wohl oder übel gefallen lassen, daß alles mögliche Gesinde! sich zwischen ihre anständigen Gäste drängt. Gesindel. dessen Wesenheit sie vielfach nicht ahnen. Natürlich gibt es wiederum auch Caf6s, die geradezu zu dem Zwecke gegründet wurden.
        
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