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Spieler und Schieber

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

80 Großstadt-Dokumente Bd. 30. Lebeweltnächte der Friedrichftadt.

„Betrieb" bedenklich zurückgegangen. Immerhin ist er noch lieblich genug. Zwischen 4 Uhr nachmittags und 2 Uhr nachts kann die Polizei dort alles finden, was sie braucht, um den Bedarf der Staatsanwalt auf Wochen hinaus zu decken. Oesterreicher sind das vorherrschende Kontingent. Die Sprache ist jenes Mauscheldeutsch von der galizischen Grenze: schlüge man diesen Leuten die Hände ab, würden sie kein Wort mehr reden können. Schmierenkomödianten von Berliner Weltstadtbühnen und Vrettlmädel mit eindeutigen Absichten. Theater- und Varwtöagenten spazieren dazwischen herum und vermitteln Engagements. Der typische Rennbahnschieber mit dem kurzgehackten englischen Schnnrrbart und dem grauen Staubmantel; zuweilen Monocle und Krimstecher. Ein paar Buchmacher, die ihr Buch ungeniert zwischen den Fingern wiegen. Die Mehrzahl: Tag- und Nachtdiebe, die vom Spiele leben und Dumme suchen. „Cafä Lebenslänglich" haben Witzbolde dieses Eafe getauft, das eine üppige Giftblüte am Baume großstädtischen Lebens, eine Studie für Sittenschilderer, ein Objekt für die Kriminalpolizei bildet.

Seit das Ectfe Opöra etwas weiter nach der Friedrichstraße zu von einem Oesterreicher Namens Dreiwurst, dem erfolgreichsten Spezialisten in Cafvhaus-gründungen, geschaffen wurde, hat „Cafö Lebenslänglich" manchen von seinen Reizen verloren. Dafür ist es in Opöra umso herrlicher geworden. Das Milieu ist ganz dasselbe, wie das eben geschilderte. Spieler und Schieber bilden das Stammpublikum in einem Maße, daß sich andere Leute dort natürlich nicht wohlfühlen können.

Cafö Viktoria, Unter den Linden. — Von 4 bis 10 Uhr abends ein fröhliches Spiel. Alles, was man will; selbstverständlich ohne Erlaubnis und ohne Kenntnis der Geschäftsleiter. Viel Varwts- und Zirkus-
        
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