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Spieler und Schieber

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

Spteüt unif Sditcfiec 
Wenn wir hier born Spielen reden, so meinen wir 
nicht eigentlich jenes in den Klubs, die zum Zwecke des 
Spieles begründet wurden und die von Zeit zu Zeit die 
hauptstädtische Clironique scandaleuse mit neuem Stoffe 
füllen. Wir meinen vielmehr jenes Parasitentum, das 
sich am Nande breit macht, die Spielpassion teils für eine 
vornehme Vetätigung ihres Lebensdranges ansieht, teils 
auch aus ihr ein Gewerbe macht. Mit der großen Um¬ 
wälzung, die sich im Laufe der Jahre in Berlin vollzogen 
hat, haben eine ganze Anzahl Leute das Feld ihrer 
Tätigkeit in die Friedrichstadt verlegt, die sich früher hier 
niemals wohlgefühlt Hütten, vielmehr draußen in den 
entlegenen Vorstadtvierteln, in den Bouillonkellern und 
Destillen, ihr Dasein führten. 
Der brave Berliner Spießbürger, der nachmittags 
in den Cafshänsern seinen Skat zu spielen pflegte, ist 
gänzlich von der Bildfläche verschwunden. Die Spielsäle 
sind darum aber nicht leerer geworden; im Gegenteil 
bilden sie die Haupteinnahmequelle einer großen Anzahl 
Friedrichstädtischer Lokale. 
Der „Ersatz" in der Spielergemeinde, die ebenso 
international ist, wie das Spiel selbst, erfolgte, wie gesagt, 
eben aus jenen Vorstadtvierteln, aus jenen deklassierten 
Elementen, die entweder dem Verbrechertum entstammen,
        
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