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Nachtlokale

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

Nachtlokale. 
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Wie nichts zu tun haben, oder aus jungen Studenten 
und Kommis, die in polternder Herzensnaivetät die 
weiße Schürze solcher Heben schon für ein „Zipfelchen 
vom Himmelreich" halten und womöglich für die Keusch¬ 
heit ihrer Angebeteten sich Terzen und Quarten durch ihre 
achtzehnjährigen Wangen ziehen lassen. 
Auch die Lokale mit den roten, blauen und anders¬ 
farbigen Laternen, die eigentlichen Animierkneipen, die 
nur auf die Allerdümmsten rechnen, zählen wir nicht 
eigentlich zur nächtlichen Friedrichstadt; sie müssen ja 
schon um elf Uhr abends schließen, zu einem Zeitpunkt 
also, wo der richtige Nachtwandler sich gerade anschickt, 
zu lunchen. Trotzdem wollen wir an dieser Stelle ein 
paar Schlaglichter auf sie fallen lassen, da sie anläßlich 
des Kampfes der preußischen Synode gegen die Unzucht 
in Berlin eine bedeutsame Rolle spielen. Wir folgen da 
der Darstellung eines Nachtbummlers, der es unternahm, 
auch diese verschwiegenen Stätten auf ihre Wesenheit zu 
untersuchen: 
„Der Appell der roten Laternen gilt den Naiven, 
was ja auch in der sonstigen Reklame dieser Lokale zum 
Ausdruck kommt. Wir haben uns der Mühe unterzogen, 
einmal eine Anzahl der kleinen Billette zu sammeln, die 
dem harmlosen Wanderer an den Ecken der Friedrich¬ 
straße von freundlichen Männern liebevoll in die Hand 
gedrückt werden. Wir sind noch weiter gegangen und 
haben sogar einige von diesen Lokalen aufgesucht, um 
einmal festzustellen, wie sich denn die marktschreierische 
Reklame in ihrem Verhältnis zur Wirklichkeit stellt. 
Dabei haben wir nun allerdings solche Enttäuschungen 
erlebt, daß wir von einer weiteren Ausdehnung der 
Exkursion nach anderen Stadtteilen ohne weiteres Ab¬ 
stand nahmen. . . Wir erhalten beispielsweise auf der 
Straße folgenden Zettel:
        
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