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Nachtlokale

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

60 Großstadt-Dokumente Bd. 30. Lebeweltnächte der Friedrichstadt.

hier in der Mehrheit aus Studenten mit ihren Liebchen zusammen; vielfach aber auch aus jungen Offizieren und chiken Konfektioneuschen. Man lacht und tollt, lärmt, liebt und lebt im allgemeinen nach der Melodie der alten Studentenweise: „Ein Heller und ein Batzen, die waren beide mein; der Heller ward zu Wasser, der Batzen ward zu Wein "

Während es in diesen Lokalen nur Wein gibt, gibt es im „Falstaff-" und im „Rochus-Keller", in der „Räuberhöhle" und in den „Bauernschenken" vorwiegend Bier. Die Leute sind im allgemeinen dieselben. Natürlich hat jedes Lokal seine Spezialität für sich.

Die „Räuberhöhle" ist originell dekoriert, ihrem Namen gemäß, und zeigt allerhand plastische Bilder aus den Abruzzen und aus Karl Moors herrlichem Böhmer-wald.

Die Bauernschenken, deren Original der selig verstorbene Max Kauffmann gegründet hat, manierieren einen stark ländlichen Ton und sehen ihren Witz und ihre Eigenart im Gegenteil von „Europens übertünchter Höflichkeit": in einer rustikalen Grobheit. Nebenher zeigen sie gewöhnlich noch allerhand Raritätenkammern und verblüffen den Provinzler durch Ueberraschungen, die keine sind.

Der „Falstaff-Keller" wiederum zeigt an seinen grauen Wänden Bilder, die der Maler aus dem Shakespeare schrieb. Grobe, ungedeckte Tische stehen umher, und an ihnen sitzen nachts kurz nach zwölf die kleinen Tanzmädchen vonBrünsch, einem bürgerlich-demimondänen Tanzsalon im Nachbarhause. Natürlich findet sich bis vier Uhr nachts schließlich noch zu jeder von diesen Gazellen der Kavalier, der bewußt seine Hörner mit Würde trägt.
        
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