Path:
Nachtlokale

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

Nachtlokale.

57

mit einem Nachtleben ohnegleichen, vermag nicht so viel Bummler auf die Beine zu bringen, daß alle diese Lokale ihren Mann ernähren können. Wenn aber wirklich einmal durch äußeren Einfluß, also beispielsweise in der Landwirtschasts-Woche, Tausende von Menschen mehr als sonst sich in derNacht auf die Friedrichstraße konzentrieren, so drängen naturgemäß auch diese neuen Tausende in allererster Linie in jene paar glänzenden Nachtlokale, von deren märchenhaftem Zauber schon draußen auf dem Lande der Nachbar Lehmann erzählt hat, der erst neulich u. s. w.

Einige von den Lokalen zweiter Klasse leben trotz, dem einen vergnüglichen Tag und denken nicht daran, die Bude zu schließen. Hierher sind zu rechnen: das Metropol-Theater-Restaurant, Clara Helmers Weinstuben und Fritz Dreher. Bei Clara Helmer, einer ehemaligen sehr beliebten Soubrette, war vor dem Aufflackern des Linden-Kasinos das allerstärkste Nachttreiben. Hier war einst allnächtlich bis zum anbrechenden Tag Alles, was Kunst, Theater und Literatur heißt in Berlin. Dort saßen Lindau und Engels, Matkowsky und Kretzer, Halbe und Bender, Hartleben und Steidl, Karl Peters ur Kettner, es gab überhaupt keinen Menschen, der tti : hier saß! Schließlich war der Andrang so groß, daß es schon nicht mehr schön war . . . trotz der hübschen und eleganten Frauen, die solches Stammpublikum nach sich zieht. Die Folge war, daß gerade die illustre Kundschaft allmählich seltener wurde; ein Vorgang, der nicht im Lokale als solchem seine Begründung hatte, sondern eben in den Nebenumständen. Die kluge Fraueuhaud, die hier das Regiment führt, hat es dann wieder verstanden, ein neues Publikum großzuziehen, in das sich ein Teil des alten mit neuem Interesse mischt. Das Resultat ist immerhin respektabel genug. Wer nach
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.