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Nachtlokale

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

54 Großstadt-Dokumente Bd. 30. Lebeweltnächte der Friedrichstadt. 
deutscher Champagner sei nicht fein, bis sie selbst daran 
glaubten. Die Wirte sind's selbstverständlich zufrieden. 
Aber die Dämchen verderben sich natürlich damit ihr 
eigenes Geschäft, wenn sie nicht gerade mit dem „Ober" 
auf „Prozente" stehen. Wenn einer achtzig Mark Zeche 
macht, bleibt nur ein Pfund noch vom Blauen über. 
Das ist ziemlich logisch." 
„Xtrtb Perriet Jouet ist also die Mode?" 
„Das kommt darauf au. Der Baron dort mit dem 
schönen Scheitel trinkt Jrroy. Er verkauft ihn nämlich. 
Aber der Sekt ist trotzdem gut, und wer hier was auf 
sich hält, trinktlihn. Ich halte nichts auf mich, wie Du 
weißt, und klebe konservativ am alten; trage ja auch 
weder. Mouocle noch Abenddreß, wenn ich nicht gerade 
in Gesellschaft gehe, was kaum noch vorkommt. Früher 
trank ich mal einer schönen Frau zu Liebe Cliquot gelb 
Etiquette; jetzt habe ich mich zu Perriet Jouet durchge¬ 
rungen, wenn man so sagen darf." 
„Willst Du mir nicht ein bischen Milieu geben?" 
„Gern. Siehst Du, da drüben der Ecktisch am 
Springbrunnen: verkrachter Adel; jüdische und arische 
Spieler; im Zeichen der Karte einigen sich zwei Rassen, 
die sonst nichts von einander wissen wollen. Natürlich 
Sekt... Die Weiber? Ballhaus. Wissen,^daß Spieler 
pour l’amour immer Geld haben und sich nicht lumpen 
lassen, wenn's nicht gerade um seriöse Wechsel geht; da 
denken sie bekanntlich: nu, (Sohn, zahl' Du! . . . Selbst¬ 
verständlich: Monocle. Soll wahrscheinlich die mangelnde 
Intelligenz ersetzen; in Wahrheit deklariert erst dasMl- 
glas vollständig das Manko; damit's ja keiner übersieht! 
Der Herrgott gab eben auch dem geringsten Tierchen 
seine Waffe ... Die beschwipste Blondine da ist''die 
„Kolonialbraut". Sie techtelt mit einem exotischen 
Gouverneur und wahrt ihre Rechte wie ein weiblicher
        
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