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Bars und Buffets Der "Bookmaker"

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

Brillanten von der Größe eines Straußeneies. Er läßt ihn viel im Lichte spielen und freut sich daran. Oft hat er viel mehr von diesen Dingern in der Tasche, und wenn er Liebhaber dafür findet, verkauft er sie auch. Er heißt ganz gewöhnlich: Christian Stilpe; hat blaue Augen und das legitimierende Embonpoint des guten Essers und Trinkers. Er steht mittags vor 12 Uhr auf, damit er bei Vradburys — wo zum Ulk ein Schild hängt: Wetten und Buchmachen ist hier verboten — die Kursnotierung nicht versäumt. Abends ist er nur Lebemann, und man muß sagen: er versteht sich darauf... In der Bar kennt ihn jeder. Er trinkt nur Pilsener oder Whisky hier; Sekt trinkt er wo anders. Aber die Mädel vor und hinter der Bar, die den Bonvivant in ihm zu schätzen wissen, trinken alle auf seine Rechnung gemixte Magengifte in grünen und roten Farben. Kommt ein Geschäft auf ihn zu, nimmt er es mit; aber er drängt sich keinem auf und benimmt sich überhaupt durchaus als Gentleman. Seine Umgebung mustert er geringschätzig: diese jungen besänften Leute von Adel stehen alle auf seinem Kreditkonto. Wer Geld von ihm pumpt, ist weniger als er. Diese Meinung ehrt ihn. Er huldigt dem Grundsatz: nobel muß die Welt zu Grunde gehen. Niemand kann ihm nachsagen, daß er je ein Spielverderber gewesen wäre und das Portefeuille mit den Braunen und Blauen nicht zur rechten Zeit gezogen hätte. Christian Stilpe hält auf sich und wäre heute längst Mitglied vom Union-klub, ... wenn er Wert darauf legte. In stillen Stunden fällt ihm zuweilen ein Paragraph des Neichsstrafgesetz-buches ein, — dann ersäuft er seinen gerechten Zorn in Jrroy oder Lauson. Wenn alles schief geht, fährt er nach der Linienstraße „kegeln". Dann geht es meistens noch schiefer; aber er hat doch seine Genugtuung.
        
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