Path:
Bars und Buffets "Madame"

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

Paris heute noch zeigt, existiert leider an der Spree nicht mehr. Dadurch ist das Nachtleben gewiß bunter geworden; aber sicher nicht schöner.

Im allgemeinen kann man sagen, daß die Bars als Import-Artikel eine vorzügliche Aufnahme in Berlin gesunde:: haben, daß das Interesse für ihre Eigenart aber auch ebeuso schnell wieder geschwunden ist. Heute sucht man wieder geräumigere Lokale auf, wo man bequemer an Tischen sitzt und nicht sein Leben auf hohen Bar-:eln riskiert, die es nur der Gnade Vorüberstreifender v auken, wenn sie nicht umfallen.

Wenn einst das Bar-Genre gänzlich wieder Vers-wunden sein wird an der Spree, — mehrfach hat die Pol zei schon Anläufe unternommen — werden eine Reihe von seltsamen Typen aus dem Berliner Nachtleben verschwinden, die, wenn auch sonst keine Neize, so doch den Reiz der Eigenart hatten. Damit sie nicht gänzlich der Nachwelt verloren gehen, seien einige der köstlichsten in: Bilde hier festgehalten:

„Madame"

Sie ist über 30 alt nud trägt enorm viel Steine; echte selbstverständlich. Erstens bringt ihr Geschäft etwas ein und zweitens hatte sie noch genug aus ihrem früheren Gewerbe in der Besselstraße. Fremden erzählt sie natürlich, daß sie früher Schauspielerin war; Kennern braucht sie nichts zu erzählen. Ihre Stimme ist lieblich; sie klingt wie eiue verrostete Türklinke, während ihr lautes Lachen anmutet wie das Brüllen einer Elefantenherde. Eigentlich heißt sie Auguste; aber nennt sich Anna, weil sie das schöner findet. Sie ist sehr tüchtig.. Wer noch einen vereinsamten Hunderter am keuschen Busen trägt und ein anständiger Kerl ist — hier wird er den
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.