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Bars und Buffets

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

44 Großstadt-Dokumente Bd. 30. Lebeweltnächte der Friedrichstadt.

Anschein hat, entwickelt sich hier mit der Zeit wieder einmal echt mondänes Treiben.

Wir begegnen vielfach der Erscheinung, daß Männer und Frauen von der Kunst oder besser gesagt: von der Bühne sich an ihrem Lebensabend, oder wenn ihre Mittel anfangen zu versagen, großstädtische Nachtlokale eröffnen, um ihre Bekanntschaften und ihre Beliebtheit in bare Münze umzusetzen. So haben wir Stallmann, die Helmer, Toni Grünfeld, Dreher n. f. w. Auch die Piccadilly-Bar gehört zur Hälfte einer ehemaligen Bretterschönheit, die einst die Judith gemimt und die Stuarteu, das wilde Baskenweib aus „Robe rouge“ und die Ohnetsche Athenäis. „Erst" und „noch" vor ein paar Jahren. In der schönen Seestadt Leibezig hat man ihr beinahe die Pferde ausgespannt. Der alte Gottschall war ganz aus dem Häuschen. Miezen aber reizte Wohl das Leben mehr als die Kunst. So kam es, daß sie mit ihrer besten Freundin zusammen dieses Geschäft aufmachte. Auch diese Freundin stand der Bühne nicht allzu fern: sie war jahrelang die „Dichterin" jener Farbenräusche und Spitzen-symphonien, mit denen die Firma Baruch bei allen mondänen Premieren den ersten Treffer machte . . . Nun verkaufen sie Beide gemischte Gifte und befinden sich offenbar ganz Wohl dabei.

Es ließe sich zu diesem Thema noch manches sagen. Unterschiede könnten gemacht und Grenzen gezogen werden. Bars gibt es, die sich in ihrer Wesensart nur dadurch von: Eafe National unterscheiden, daß sie teurer sind; nicht aber dadurch, daß ihre weiblichen Gäste sich anständiger benehmen. Ueberhanpt hat im allgemeinen der Ton gelitten. Das mag daher kommen, daß die „leuchtenden Nächte" heute auch von Leuten bevölkert werden, die früher andere Gegenden glücklich machten. Die scharfe Abgrenzung, die wir früher hatten und die
        
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