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Bars und Buffets

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

Bars und Büffets.

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Ulan sein Geld einfädeln. Ach, wenn er's doch hente noch könnte — was gäbe er drum!

Das war Leben damals! Aber die Leute, die das Leben machten, sind heute ausnahmslos niedergebrochen und leben nur von Erinnerungen . . . Die Courtisanen von damals sind heute ehrsame (?) Zimmervermieterinnen; an Spieler verheiratet; oder streichen als abgetakelte Cocotten ruhelos durch die Nächte . . . Gespenster vergangener Zeiten . . . Motten, die sich am Licht die Flügel verbrannten. . . .

Toni Jaeckel aber, die nie eine Courtisane, Wohl aber die stolze Königin dieser Nächte war, ist ihren Weg für sich gegangen. Sie hat all diesen Märchenglanz abgestreift und sich ernsthaft der Bühne gewidmet. Umgekehrte Wege sind nicht selten: dieser aber erfordert Achtung, weil er hohe Selbstsucht und starke Energie verlangt.

Der Fidelsten einer war damals der arme Herzog Paul Friedrich zu Mecklenburg, den sie nun auf feine alten Tage noch entmündigt haben. Er war Stammgast bei Köglers; auch noch zu Zeiten Pauls, der später bei schwerem Einbruch erwischt und zu harter Zuchthausstrafe verurteilt wurde. Und machte der braven Toni den Hof wie der jüngste Leutnant.

Der Erbland marsch all, der jetzt mit Zigaretten handelt und ein kleines Mädchen liebt, das damals noch den Studenten Maßkrüge servierte, war in dieser Zeit viel zu vornehm und zu apart, als daß er sich unter die groß-herzoglichen und fürstlichen Altersgenossen gemischt hätte, die allnächtlich in der Jägerstraße gar lustig Hos hielten." —

Ueberall begegnen wir diesen Hinweisen auf eine frühere glücklichere Zeit und überall einer gewissen Resignation bei der Betrachtung des heute bestehenden Zustandes. Bars haben wir heute auch noch in Hülle und
        
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