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Bars und Buffets

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

40 Großstadt-Dokumente Bd. 30. Lebeweltnächte der Friedrichstadt.

Neben den amerikanischen drinks, neben den feinsten Sektmarken und den besten Weinen gab es hier auch Pilsener Bier in Silberbechern, und das war Grund genug, daß auch die Kaufleute und besseren Bürger gern diese Stätte aufsuchten, an der man bei verhältnismäßig geringen Unkosten das ganze Nachtleben von Berlin in gleißendem Strome an sich vorüberranschen lassen konnte.

Heute ist die Metropolitan-Bar schon lange polizeilich geschlossen und der moderne Berliner kennt sie nur noch in Schilderungen jener, die mit dabei waren, und von denen einer erst neulich schrieb:

„Früher! Weißt Du noch ... in den Zeiten, o die längst Polizeilich geschlossene Metropolitan-Bar ue : mitternächtig glänzte, Angelika ein Stern war und M v Western durch die schmalen Räume strich! ... Ja, damals! Damals hatte das junge Berlin noch Geld uud streute es aus. Damals war bei Riebenstahl abends kein Stuhl zu haben. Damals hatte ein blauer Lappen kaum Trinkgeldkurs.

Toni Jaeckel, mit den schmalen, feinen Fingerchen, auf denen die Brillanten keinen Platz mehr fanden, thronte wie eine Königin hinter der Bar und wurde hofiert mindestens wie eine princesse royale. Allabendlich saßen sie vor ihr auf den hohen Schemeln, die Berlin damals dort und im Büffet frangais zum ersten Male sah, und erzählten ihr schöne Märchen aus Tausend und eine Nacht. Ein langer Ulan, das Monocle im müden Ange, schüttete seine Börse vor ihr aus; braune und blaue Scheine und viel, viel Gold: „. . Toni, nur einmal mit mir soupieren!" „Herr v. P., nehmen Sie das Geld vom Tisch!" Und als er's trotzdem nicht tat, schrie sie wie besessen: „Herr Kögler, fordern Sie den Herrn auf, das Lokal zu verlassen; er beleidigt mich!" Und gehorsam mußte der

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WM
        
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