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Die Ballsäle Ballhaus-Anna

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

34 Großstadt-Dokumente Bd. 30. Lebeiveltnächte der Friedrichstadt.

kann das Anna nicht mehr passieren. Ihr „Ausgeh"-Frennd ist ein anständiger Kerl, der sein Essen selbst bezahlt und womöglich auch noch die Billette ausgibt. Er ist „Kavalier" und nicht so wie die von der Lilly, von der Mieze, von der Rosa, von der Finerl und wie die lieben Freundinnen alle heißen. Ueberhaupt — diese andern! Sie haben bei all ihrer Talmifeinheit fast durch die Bank richtiggehende „Beschützer". Das hat Anna denn doch nicht nötig. „Vrotstellen" hat sie nicht zu vergeben . . . Das größte Pläsier hat Anna im Nachtlokal. Da sie bei ihrer Hauskundschaft dort nicht auf Freier reist, sucht sie sich ihr Amüsement nach Belieben. Kommt einer, der sich partout mit ihr befreunden will, ist sie für eine Svpareestunde nicht abgeneigt, aber länger — ist nicht zu machen. Man darf die Liebe nicht zum Beruf machen; sie soll ein Vergnügen bleiben. Anna weiß, was ihr zukommt, und läßt sich nichts davon rauben. Darum steht sie auch mit den andern Mietern des Hauses schlecht, weil „diese Affen" manchmal Gesichter reißen, wenn Anna morgens um 8 Uhr im Ballstaat angefahren kommt, bläulich angehaucht und leidlich zerknittert. Anna hat ein Sparkassenbuch. Nr. 13417. Es ist leider nichts mehr drauf. Anna hat auch ein kleines Mädchen in Pankow. Das soll mal nicht „so Eine" werden wie ihre Mutier! Anna hat sogar Telephonanschluß: Amt Via (die Nummer sage ich nicht), damit die Besucher sich vorher anmelden können. Ueberhanpt: Anna ist auf der Höhe.

Bar-Lotte

Seit fünfzehn" Jahren bevölkert sie die Bar. Ein Zuugenfehler hindert sie am „Sprechen, ohne zu spucken." Sie. trinkt gern und trinkt viel. Sie ist immer besoffen. Zuzeiten soll sie ein gutes Herz haben; ich weiß es nicht
        
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