Path:
Die Ballsäle

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

28 Großstadt-Dokumente Bd. 30. Lebeweltnächte der Friedrichstadt.

überschwellendem Herzen; die dritte endlich hat noch einen anderen Freund unter den Herren, die „preisend mit viel schönen Reden" ihrer Marke Wert und Schöne allnächtlich durch die Lokale ziehen.

Schulze muß schon, ob er nun will oder nicht. Schließlich ist er ja auch, so meint die Kleine, „nicht zu seinem Vergnügen" nach Berlin gekommen. Er glaubte zu schieben, und nun wird er geschoben.

Das Bild ist äußerlich glänzender geworden in den letzten Jahren und die Preise werden immer teurer. Sie stehen in keinem Verhältnis mehr zu den Einnahmen unserer sogenannten Kavaliere. Seit eine Kokotte sich einredete, nur französischer Sekt wäre fein, seit die anderen es ihr nachtun wollten, und die alten guten deutschen Sektmarken so gut wie gänzlich verdrängt wurden aus den Ballsälen, ist der Etat. den eine durchwachte Nacht verschlingt, wenn man überall wie ein Gentleman auftreten will, kaum noch zu erschwingen. Wenn die Provinzler nicht wären — die hauptstädtische Lebewelt würde diese Lokale nicht halten können. Eine eigentliche jeunesse dor6e gibt es in Berlin ja nicht mehr, und es ist nicht so unrichtig, wenn gesagt worden ist: „Was sich dafür ausgibt, hat etwas Lausejungeuhaftes an sich. Unsere Kavallerie hat kein Geld mehr. unsere haute finance ist ausgestorben. An Beider Stelle sind Börsenschnorpel getreten, Klubkavaliere zweifelhafter Existenz und noch zweifelhafterer Satisfaktionsfähigkeit und Schieber, die einer käuflichen Courtisane auf dem Goldtäschchen liegen."

In den Amorsälen und im Moulin rouge, in den Blumensälen und in Arkadia ist das Publikum so ziemlich das gleiche. Die Mädchen wechseln. Sie erzürnen sich bald da mit dem Geschäftsführer und gehen deshalb plötzlich in ein anderes Lokal, fühlen sich aber auch da
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.