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Die Straßen des Lasters

Full text: Lebeweltnächte der Friedrichstadt / Dietrich, Richard

Die Straßen des Lasters.

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brutalen und lauten Worten vor Tausenden abgeschlossen wird, wo die widerwärtigsten Redensarten an das Ohr anständiger weiblicher und männlicher Passanten dringen, versagt die Macht, die sonst so gern ihre Gewalt zeigt' Es ist so weit gekommen, daß heute selbst am Tage kaum noch eine anständige Frau allein durch die Friedrichstraße zu gehen wagt, geschweige denn des Nachts, wo jeder Lümmel sich berechtigt glaubt, sie ohne weiteres für vogelfrei halten zu dürfen. Wenn die „Damen", die mit ihren sogenannten Reizen sich adlige oder bürgerliche Lebejünglinge und -Greise fangen, in den dunklen Nebengassen einsam schweigend patrouillieren würden, so möchte, solange sie die Mitwelt nicht belästigen, ihr Gewerbe frei sein. Ans Licht aber sollte man sie nicht kommen lassen; denn es ist doch schließlich noch nicht so wert, daß die Hunderttausende von kontrollierten oder nicht kontrollierten Prostituierten die Stadt Berlin beherrschen. Sie dürfen sich bedanken, wenn man sie duldet; zur Zeit aber machen sich diese Gestalten in einer Weise breit, als ob sie das Pflaster unserer verkehrsreichsten Straßen in Erbpacht genommen hätten, und die Polizei, die den ehrsamen Handelsmann recht energisch zur Raison zu bringen weiß, bestärkt durch ihre Duldung dieses Sich-Spreizens den Glauben der Dämchen und des männlichen Gesindels ihrer Gefolgschaft an ihre dominierende Stellung. Dadurch hat die Unsicherheit des Verkehrs in einer Weise zugenommen, daß auch der einzelne Mann in manchen Stuudeu der Nacht Pöbelhaften Angriffen aller Art ausgesetzt ist. An der Kranzler-E’tfe beispielsweise ist immer eine ganze Versammlung Don Amazonen, die nur allzu bereit sind, den freundlichen Dank für ihr Liebesangebot mit einem Schirmangriff zu beantworten; immer gedeckt durch die männlichen Verbrecher, die sich dort an allen Ecken herumdrücken. Sogar
        
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