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Wer hilft dem alkoholkranken Körper Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

Wer hilft dem alkoholkranken Körper Berlins?

Überblicken wir die Bedeutung, welche der Alkoholismus in unserem Volksleben gewonnen hat, so erscheint ein Kampf dagegen bei erster Betrachtung wie der des jungen David gegen den Riesen Goliath. Das Kapital der Alkoholinteressenten zählt nach Milliarden, die von ihm besoldete und abhängige Armee ist riesengroß, sie belauft sich in Berlin gut auf hunderttausend erwerbsfähige Männer, von denen mehr als die Hälfte Familienvater find. Die innere Organisation des Alkoholkapitals ist ebenso vortrefflich wie feine äußere Prunkentfaltung bewunderungswürdig; die tausendfältige Realsuggestion* — weniger aufdringlich, als eindringlich — ebenso wirksam, wie die sich endlos kumu-

* Zu erwähnen sind hier auch die suggestiven Inschriften, die sich vielfach als Wandsprüche in Wirtshäusern (neuerdings auch auf Ansichtskarten) finden; einige Proben aus unserer Sammlung lauten:

a) „Nüchtern ist der Mensch ein Vieh,

Darum sind wir nüchtern nie.

Wenn der Geist was leisten soll,

Braucht der Körper Alkohol."

b) „Das Trinken lernt der Mensch zuerst,

Viel später erst das Essen,

Drum soll er dankbar bis zum Grab Das Trinken nicht vergessen."

c) „Das Wasser gibt dem Ochsen Kraft,

Dem Menschen Bier und Wein,

Drum rat' ich dir, trink Bier und Wein,

Du willst doch wohl kein Rindvieh sein."
        
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