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Wie bekommt dem Körper Berlins sein Quantum Alkohol?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

90 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins.

bürg untergebrachten 1479 Personen und die Obdachlosen (täglich etwa 1500) hinzu, dann ergeben sich recht stattliche Zahlen, besonders wenn man erwägt, daß außerdem noch 50000 Arme, unter ihnen 11000 Kinder, zu unterstützen waren."

Natürlich stellen die in den städtischen und staatlichen Anstalten befindlichen nur einen Bruchteil der für Anstalten geeigneten Personen dar; wieviel Geisteskranke sind in Privatirrenanstalten, ganz zu schweigen von den Tausenden, um die sich die Verwandten selbst abmühen; wieviel Obdachlose nächtigen nicht in der „Palme" und „Wiesenburg", sondern bei „Mutter Grün", wieviel Roheits- und Eigentumsdelikte werden überhaupt nicht angezeigt, und auch von diesen werden sehr viele nicht entdeckt und noch viel weniger abgeurteilt. So betrug im Jahre 1905 in Berlin die Zahl der über „Verbrechen, Vergehen und Unglücksfälle" erstatteten Anzeigen 102 815 (gegen 92566 im Vorjahre; 14 737 davon bezogen sich aus „Unglücksfälle und Ereignisse"), verurteilt wurden dagegen, wie wir sahen, nur 23602 Personen.

Der materielle Schaden, den der Alkoholismus, für den wir den vierzehnten Teil deutscher Arbeitskraft, den zwölften Teil deutschen Ackerlandes, den zehnten Teil deutschen Vermögens opfern, verursacht, ist trotz seiner Größe doch nur gering im Vergleich mit der ideellen Einbuße an Gesundheit und geistigen Gütern, Lebensfreude und Lebensschönheit. Wie aber nimmt sich den angeführten Zahlen und Tatsachen gegenüber die Resolution aus, welche der allgemeine außerordentliche Gastwirtstag zu Berlin am 21. November 1902 faßte, in der die Bestrebungen der Anhänger der Mäßigkeits- und Enthaltsamkeitsbewegung als „Phantasien einer kleinen Gruppe unduldsamer Personen" bezeichnet werden!

Nein, wahrlich nicht um „Phantasien" handelt es sich bei Betonung der Alkoholgefahren, sondern um bitterernste Wirklichkeiten, nicht um fanatische Unduldsamkeit, sondern um das ehrliche Bemühen, im Interesse der Regeneration und Volkswohlfahrt Hand anzulegen an die Beseitigung eines Krebsschadens.
        
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