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Wie bekommt dem Körper Berlins sein Quantum Alkohol?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

Wie bekommt dem Körper Berlins sein Quantum Alkohol? 87

Unterlegenen auf dessen Wagen zu heben und ihn nach Hause zu kutschieren. Unterwegs wurde jedoch nochmals Station gemacht und das Zechgelage begann von neuem. Hier nahm den Bezechten dessen Kutscher, der gekommen war, ihn abzuholen, in Empfang und übernahm die weitere Beförderung. In der Meyerbeerstraße ereigneten sich sodann die vorher geschilderten Vorgänge. Während der Amtsanwalt für die unter Anklage gestellten Straftaten eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen und eine Haftstrafe von einer Woche für eine angemessene Sühne hielt, gelangte das Gericht zu der Überzeugung, daß der Angeklagte tatsächlich infolge hochgradiger Trunkenheit unzurechnungsfähig gewesen sei und sprach ihn deshalb von Strafe und Kosten frei."

Gewiß ist der Betrunkene geistig nicht normal, allein solche Urteile sind nicht nur ein Ansporn für alle diejenigen, welche sich für ihr Verbrechen erst Mut oder wie der Berliner wohl auch sagt „mildernde Umstände" antrinken, sondern bedrohen die Allgemeinheit in einer auf die Dauer unhaltbaren Weise.

Auf dem soeben in Stockholm stattfindenden XL internationalen Kongreß gegen den Alkoholismus gelangte Dr. med. Scharfenberg Lhristiania in seinem Vortrage: „Alkohol und Verbrechen" zu dem Ergebnis, daß „die Kriminalität in einer alkoholfreien Gesellschaft etwa auf die Hälfte Herabsinken werde." Das dürfte auch für das Deutsche Reich zutreffen. Mit anderen Worten: wir könnten die Gefängnisse und Zuchthäuser um die Hälfte verkleinern, ebenso die Irrenanstalten und Krankenhäuser um gut ein Drittel verringern, wenn es keinen Alkohol gäbe. Gewiß keine kleine Ersparnis für den Staat und die Kommunen. Bei Berlin müssen wir zu den Millionen, die es für den Alkohol direkt verausgabt, noch die Millionen hinzurechnen, die es ausgibt, um den vom Alkohol verursachten Schaden einigermaßen wieder gutzumachen, nicht allein die Kosten, welche die Pflege und Verwaltung so vieler Irrer und kranker, Obdachloser und Arbeitsscheuer beansprucht, sondern die nicht geringeren Ausgaben, welche die Unterstützung und Erhaltung ihrer verarmten Angehörigen erfordert.
        
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