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Wie bekommt dem Körper Berlins sein Quantum Alkohol?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

86 Großstadt-Dokumente 23b. 41. Die Gurgel Berlins.

antworten. Am 18. April d. 3- veranlaßte er in der Meyer-beerstraße durch sein unglaubliches Betragen eine turbulente Straßenszene. Zunächst mißhandelte er sein Pferd, weil es nicht ziehen wollte, in Ärgernis erregender Weise, indem er mit der linken Hand es am Ohr zerrte und mit der rechten Faust unbarmherzig auf Maul, Augen usw. losschlug. Als auch dieses Mittel ohne Wirkung blieb, zog er sein Taschenmesser und wollte aus das Tier losstechen. Als der Kaufmann Jakob, der sich unter der angesammelten Menschenmenge befand, empört ihn von dieser Mißhandlung zurückzuhalten suchte, wandte sich der Angeklagte gegen ihn. Jakob ergriff die Flucht. Wutentbrannt, Schaum vor dem Mund und grün und blau gefärbt, raste ihm Benner nach. Die wilde Jagd ging mehrmals um einen Möbelwagen herum, bis der Angeklagte schließlich von seinem Opfer abließ. Unterdessen war ein Schutzmann herbeigeholt worden, der nach Lage der Sache Benner zur Wache sistieren wollte. Diesen griff er auch sofort tätlich an, so daß der Beamte, nachdem B. durch das Eingreifen eines handfesten Arbeiters widerstandsunfähig gemacht worden war, ihn fesseln mutzte und ihn erst so unter großen Schwierigkeiten zur Wache zu befördern vermochte. Dort gebärdete sich B. weiter wie ein Rasender, so daß er in die Zelle gesperrt werden mußte. Nach etwa zwei Stunden holte ihn seine Frau ab. Er verließ die Polizeiwache mit gebrochenem Schlüsselbein und anderen Verletzungen, so daß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Der Angeklagte behauptete, zur Zeit der Tat derartig unter dem Einflüsse des Alkohols gestanden zu haben, daß er seiner Sinne nicht mächtig war. Durch die Beweis-ausnahme wurde folgendes festgestellt: Des Morgens war er in Geschäften aus dem Zentralviehhofe gewesen und hatte von 9 Ahr morgens an mit zwei Schlächtermeistern um die Wette gezecht. Er hatte sich gerühmt, ebensoviel vertragen zu können, wie einer seiner Partner, ein sogenanntes „Siebenmonatskind". Bier, Branntwein und Wein wurde von den Dreien in unglaublichen Quantitäten vertilgt. B. hatte sich doch mehr zugetraut, als er zu leisten imstande war. In dem Trinkduelle blieb sein Gegner der Sieger. Dieser war großmütig genug, den
        
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