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Wie bekommt dem Körper Berlins sein Quantum Alkohol?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

78 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins.

zu Lichtenberg untersuchte. Nachdem er 50 uneheliche abgezogen, über deren Antezedentien wenig bekannt war, stellte er unter den übrigen 250 in 152 Fällen Trunksucht des Vaters, in 12 der Mutter, in 4 beider Eltern fest. Es entstammten also 67,2°/0 der jugendlichen Taugenichtse trunksüchtigen Eltern. Derselbe Beobachter macht noch auf eine weitere Schädigung der Trinkerkinder aufmerksam, die für die Frage der Degeneration nicht ohne Belang ist, auf die Häufigkeit von Kopfverletzungen bei diesen Kindern. Bei mehr als 2/B der Zwangszöglinge aus Trinkerfamilien ließen sich Schädelnarben nachweisen, welche fast ausnahmslos auf Mißhandlungen zurückzuführen waren, die von den Vätern in alkoholischen Erregungszuständen verabreicht waren.

In der Frage der Fürsorgeerziehung Minderjähriger spielt direkt und indirekt der Alkohol eine große Rolle. Die im Ministerium des Innern bereitete Statistik ergibt, daß in dem Jahre 1904 in Preußen 6458 Minderjährige nach dem Gesetz vom 2. Juli 1900 in Fürsorgeerziehung genommen sind. Auf 10000 Personen unter 18 Jahren entfallen 6 männliche und 3 weibliche Fürsorgezöglinge. Berlin stellt genau doppelt soviel Zwangszöglinge, als dem Verhältnis seiner jugendlichen Gesamtbevölkerung entspricht. Die 6458 Zöglinge stammten aus 5637 Familien, aus 360 Familien wurden 2, aus 109 je 3, aus 39 je 4, aus 21 je 5, aus 4 je 6, aus 2 je 7 und aus 1 Familie sogar 11 Geschwister der Fürsorge überwiesen. In fast der Hälfte dieser Familien ist eins der Eltern oder beide vorbestraft, 924, also etwa x/e der Familien standen unter Armenpflege; in reichlich einem Viertel der Familien waren Vater oder Mutter oder beide der Trunksucht oder Unzucht ergeben. Die geistig und körperlich minderwertigen Zöglinge waren fast sämtlich von Trinkern gezeugt.

Allein in Berlin wurden in den drei Jahren von 1902 bis 1905 1714 Minderjährige unter 18 Jahren der Fürsorgeerziehung überwiesen; von diesen waren 636 vorher bestraft, 626 bettelten, 10 waren bereits notorische Trinker, 358 neigten zu gewerbsmäßiger Unzucht, 18 zum Diebstahl. In 578 Fällen war eins von den Eltern, hundert-
        
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