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Wie bekommt dem Körper Berlins sein Quantum Alkohol?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

70 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins.

außerordentlich stark verbreitet. FürBerlin berechnetBlafchko, daß allein unter 1000 jungen Männern zwischen dem 20. und 30. Jahr fast 200, also jeder fünfte an Tripper erkrankt ist, jeder vierundzwanzigste hingegen an frischer Syphilis leidet. Nach meiner Erfahrung in der großstädtischen Praxis haben aber über 50°/0 aller, die sich eine geschlechtliche Ansteckung zuzogen, dieselbe unter Alkoholeinfluß aquiriert, meist, wenn sie von der Kneipe heimkehrend unüberlegt und ohne Vorsichtsmaßregeln den Anlockungen auf der Straße sich anbietender Dirnen folgten, „mit jenem Trank im Leibe, Helenen in jedem Weibe" erblickend.

Bemerkenswert ist auch der auf den ersten Blick gewiß überraschend erscheinende Einfluß des Alkohols auf die KindersterblichKeit. In Berlin wurden im Jahre 1905 26 475 Knaben und 24 807 Mädchen, im ganzen 51282 Kinder geboren, unter denen 1842 tot zur Welt kamen. Vor Vollendung des ersten Lebensjahres starben von 1000 Geborenen 239,37. 10170 Kinder erlebten nicht ihren ersten Geburtstag, von diesen lagen an der Brust der Mutter 674, von einer Amme wurden 37 genährt, alle übrigen — also 9459 — erhielten Tiermilch und Milchsurrogate. Das Stillen nimmt in Berlin immer mehr ab. Berücksichtigen wir, daß erst im Jahre 1500 n. Chr. die ersten Angaben über Ernährung durch Tiermilch in Deutschland auftauchen, die auch noch heute bei vielen Naturvölkern unbekannt ist, und bedenken wir, wie wenige Frauen heute ihre Kinder noch selbst nähren, so ist, wenn es in gleichem Tempo weitergeht, die Zeit abzusehen, in welcher der Mensch aus der Reihe der Säugetiere ausscheidet. Von welcher Bedeutung dies ist, werden wir begreifen, wenn wir hören, daß von Muttermilchkindern durchschnittlich im ersten Lebensjahr jedes zwölfte, von künstlich ernährten jedes zweite stirbt. Beispielsweise steigt die Sommersterblichkeit an Verdauungskrankheiten bei den Brustmilchkindern im Juli bis September gegenüber den anderen Monaten um das 1,77 fache, bei Brust- und Tiermilch um das 4,37 fache, bei Tiermilch um das 5,90 fache, bei Surrogaten um das 7,46 fache.

Pros. v. Bunge hat nun in feiner berühmten Schrift: „Die zunehmende Unfähigkeit der Frauen, ihre Kinder zu
        
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