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Wie bekommt dem Körper Berlins sein Quantum Alkohol?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

68 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins.

Mißbrauch) int Leben nicht zugegeben wurde. Für empfängliche Naturen kann ein jahrelang fortgesetzter täglicher Haustrunk von 3 1 Bier durchaus zum Zustandekommen der zum tödlichen Gehirnschlag notwendigen Gefäßverände-rungen genügen." 1905 starben an Hirnschlag (Schlaganfall) in Berlin allein 1091 Personen.

Prof. Fränkel berichtet in seinen „Vorlesungen über Herzkrankheiten", daß er in Berlin, „wo das Biertrinken namentlich von schweren importierten bairischen Bieren in schreckenerregender Weise zugenommen hat, in den letzten Jahren in wachsender Häufigkeit Kurzatmigkeit, Herzpalpitationm usw. bei verhältnismäßig jungen Leuten in den zwanziger und dreißiger Jahren zu behandeln hatte, bei denen zuweilen auch eine Vergrößerung des Herzens nachweisbar war und als einziger Grund der Erkrankung ein regel- und unmäßiger Genuß von Bier aufgefunden werden konnte, dessen Entziehung auch stets zur Besserung bzw. Heilung führte."

Der Magenarzt Prof. Boas in Berlin gibt an (1900), daß er unter den an Krebs der Speiseröhre erkrankten Personen 40 °/0 Schnapstrinker fand.

Der leitende Arzt der Nervenheilanstalt Haus Schönern bei Berlin, Prof. Dr. Max Laehr, sagt in einem Vortrage:*

„Unter den uns bekannten Ursachen der Nervosität, Neurasthenie und Hysterie, nimmt der gewohnheitsgemäße Alkoholgenuß eine hervorragende Stelle ein. Relativ selten ist er als das ausschließliche ursächliche Moment der Erkrankung anzusehen, meist gewinnt er erst zusammen mit andern schädlichen Einflüssen seine krankmachende Bedeutung, sei es, daß er mit diesen die Disposition zur Entwicklung der Nervosität schaffen hilft, sei es, daß er sie bei einem aus anderen Ursachen bereits nervös disponierten Individuum auslöst.

„Die nervenschädigende Eigenschaft des Alkohols wird besonders verhängnisvoll für konstitutionell Nervöse, d. h. für die große Gruppe der sogenannten Psychopathen. Bei ihnen stellen sich die Vergiftungserscheinungen schon nach

* Veröffentlicht in „Der Alkoholismus, seine Wirkungen und seine Bekämpfung" II. Bd. bei Teubner, Leipzig und Berlin 1906.
        
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