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Wie bekommt dem Körper Berlins sein Quantum Alkohol?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

Wie bekommt dem Körper Berlins sein Quantum Alkohol? 63 
(57 an Arsenik, Phosphor, 40 durch Säuren. 62 durch 
giftige Pilze usw.) erlagen, ruft aus: „Und nun bedenke 
man, welche Menge von Vorschriften über den Handel mit 
Giften vorhanden sind, mit welcher Ängstlichkeit die Sani¬ 
tätspolizei sich abmüht, hier Leben und Gesundheit zu 
schonen, und was für die Einschränkung des Handels mit 
Alkohol geschieht!" 
Daß aber die angeführten offiziellen Daten noch weit 
hinter der Wirklichkeit zurückstehen, ergibt sich aus folgender 
Betrachtung. Seit 1904 besitzen die Berliner Ärzte ähnlich 
wie die der Schweiz die Möglichkeit, unter Wahrung des 
Berufsgeheimnisses Todesursachen wie Syphilis, Selbst¬ 
mord, Alkoholismus usw. anzugeben, die sie auf den Toten¬ 
scheinen früher oft kaschierten, um die Familien nicht blo߬ 
zustellen. Es ist nämlich jedem Totenschein ein abtrennbarer 
Coupon beigegeben, auf dem, ohne daß der Name des 
Verstorbenen und Arztes genannt wird, Fragen über gewisse 
Todesursachen wie Alkohol, Syphilis gestellt sind. Da 
zeigte sich nun, daß, während auf den Totenscheinen im 
Zahre 1904 nur bei 47 Männern und 8 Frauen Alkoholis¬ 
mus als tödliches Leiden vermerkt war, auf den Eoupons 
in 895 Fällen, bei 821 Männern und 74 Frauen oder bei 
4,70% der Männer und 0,5% der Frauen Alkoholismus 
als Todesursache notiert wurde. Die Berliner Prozentzahl, 
auf Deutschland übertragen, würde in einem Jahr 27 000 
Todesfälle durch Alkoholismus geben. 
Aber selbst diese Ziffer ist ungenügend, da der Alkohol 
in vielen Fällen zunächst als Krankheitsursache und erst 
indirekt als Todesursache in Betracht Kommt. 
Auch hier stößt es auf erhebliche Schwierigkeiten, authen¬ 
tische Unterlagen'zu gewinnen. Die Berliner Krankenhaus- 
statistiken bieten uns wenig Anhaltspunkte, immerhin finden 
wir einige Angaben von Berliner Krankenhausleitern und 
Ärzten, die sehr zu denken geben. Ich greife einiges heraus: 
in dem Bericht über das städtische allgemeine Krankenhaus 
am Friedrichshain für das Etatsjahr 1905 schreibt Stadel¬ 
mann: „Die Zahl von akuten Lungenentzündungen ist noch 
weiter gestiegen (219 mit 65 Todesfällen — 29,7 % gegen 
200 mit 58~ Todesfällen = 29% im Vorjahre). Die Ur¬ 
sachen der hohen Mortalität liegen teils in dem Alter und
        
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