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Was fließt im Jahr durch die Gurgel Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

52 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die^Gurgel Berlins.

wird abgerüstet. 3n den Gärten erlöschen die Lichter. Die Heimkehrenden tragen Stocklaternen, die sich wie Irrlichter über die finsteren Felder fortbewegen, heimwärts zu den dumpfen Räumen in den Seitenflügeln und Hinterhäusern

der Metskasernen.	.

Ie besser der Garten gepflegt wird, um so schöner wrrd er mit jedem Jahre, aber die Pachtverträge sind jährlich, und wenn jemand nicht genügend verzehrt oder gar ein Alkoholgegner ist — ich kenne solche Fälle —, dann kündigt ihm der Generalpächter, „er schiebt ihn ab" oder steigert ihn oder teilt seine Parzelle, um auf derselben noch einen zweiten Konsumenten unterbringen zu können.

So wird auch diese hygienische Volkseinrichtung, die soviel Gutes in sich birgt, durch die Alkoholinteressenten schwer in ihrem Wirken beeinträchtigt. Eine rühmliche Ausnahme bilden die Laubenkolonien vom roten kreuz, die jedoch bisher nur einen kleinen Bruchteil der vorhandenen

in Verwaltung haben.

Daß auch die geschilderten Sommerfeste im Zeichen des Alkohols stehen, ist um so bedauerlicher, als an Trinkfesten in Berlin vom ersten bis zum letzten Tage des Jahres wahrlich kein Mangel ist. Für Silvester sind in vielen Berliner Lokalen schon wochenlang alle Plätze vorausbestellt, so daß sie bereits am Nachmittag für den allgemeinen Besuch gesperrt werden. Dem neuen Zeitabschnitt muß mit Punsch oder Sekt zugetrunken werden und am Morgen des 1. Januar stehen schon viele Einwohner mit dumpfem Kopfe auf. Das nächste große Trinkfest ist Kaisers Geburtstag, an dem man selbst 'hohe Offiziere und Beamte in den Berlmer Straßen abends schwankend beobachten kann. Im Februar und März folgt die von München importierte „Bocksaison", die im Gegensatz zum Karneval, der in Norddeutschland nicht recht heimisch werden will, von Jahr zu Jahr mehr um sich greift. Eine hiesige Tageszeitung schildert den Berliner Bock 1907 in folgender anschaulicher Weise: „Zimperlichkeit ist bei den Bockbierfesten ein höchst überflüssiger Ballast. Denn sachte geht's nicht zu Wenn die Georg Langsche Truppe in der Unions - Brauerei mit ihren Oberlandlern, Musikern, Sängern, Tänzern und dann gar noch der Helli-Natzi aus Garmisch mit seinem Gefolge
        
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