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Was fließt im Jahr durch die Gurgel Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

46 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins.

diese bestimmte Art von Lokalen scheinen übrigens nach einem ungeschriebenen internationalen Abkommen gewählt zu sein, denn auch in Frankreich, der Schweiz, in Österreich und Rußland begegnen wir ihnen, und je nach persönlicher Veranlagung mag sie der Wanderer als Warnungszeichen oder als Willkommengruß ansehen."

„Die Aufsichtsbehörde hat in letzter Zeit die Beobachtung gemacht, daß in einer Anzahl von Lokalen recht jugendliche Kellnerinnen — im Alter von 16—17 Jahren — beschäftigt werden. Sobald eine derartige Feststellung erfolgt ist, sorgt die Polizei natürlich dafür, daß diese Pflänzchen in die Fürsorgeerziehung kommen. Die Beschäftigung von Mädchen unter 16 Jahren ist in der Zeit von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens den Lokalinhabern überhaupt verboten. Mädchen über 16 Jahre dürfen in der Zeit nicht zum Bedienen der Gäste verwendet werden. Aber die findigen Köpfe helfen sich da sehr rasch: die von dem Verbot Betroffene wird einfach als Küchenmädchen angestellt, und wird sie von einem observierenden Beamten bei den Gästen betroffen, nun, dann hat sie eben nur ausgeholfen."

Die AnimierKneipen rangieren schon dicht an ~t>en Verbrecherspelunken und Zuhälterkaschemmen, welche allerdings im Grunde genommen kaum etwas anderes sind, als Lokale für eine besondere Gruppe von Personen, die durch ein gemeinsames Interesse miteinander verbunden sind. Derartige Zusammenkunftsstätten für besondere Kreise existieren in Berlin sehr zahlreich. Es gibt kneipen, in denen nur Spieler, andere, in denen ausschließlich Artisten, wieder andere, in denen allein Homosexuelle verkehren. Zu den Gastwirtschaften für bestimmte Schichten kann man auch die Klublokale, Kasinos und Kantinen rechnen. Letztere gibt es nicht nur für Soldaten, sondern in vielen großen Fabriketablissements; durchschnittlich machen sie sehr gute Geschäfte. Neuerdings haben einige Fabrikleitungen, z. B. L. Löwe, damit nicht die Arbeitsfähigkeit ihrer Arbeiter und Angestellten durch den Alkohol beeinträchtigt wird, die Anordnung getroffen, daß in ihren Kantinen nur alkoholfreie Getränke verabreicht werden dürfen.

Auch die „Baukantinen" oder „Baubudiken" sind hier zu erwähnen, die sich in Gegenden von Neubauten auftun.
        
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