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Was fließt im Jahr durch die Gurgel Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

44 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins.

wiederholt Kellnerinnen, und zwar zumeist an schwerer Syphilis behandelt, die mir mitteilten, daß sie pro Tag 30—40 Glas Bier trinken. Direkter Geschlechtsverkehr findet in den Lokalen aus Furcht vor dem Kuppeleiparagraphen selten statt, aber meist ist es „dicht davor", und die Ansteckungsgefahr ist bei der intimen Berührung eine sehr große. Wenn Blaschko annimmt, daß 30°/0 der Berliner Kellnerinnen geschlechtskrank sind, so scheint mir die Zahl eher zu niedrig als zu hoch gegriffen. Nach meinen Beobachtungen, die sich allerdings mehr auf Char-lottenburg beschränken, ist hier durchschnittlich jede zweite Kellnerin venerisch infiziert. Dr. Blaschko, der bekannte Berliner Spezialforscher, äußert sich über die Gefährlichkeit der Animierkneipen treffend wie folgt: „Die Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten hält, wie das von ihr wiederholt zum Ausdruck gebracht worden ist, die Animierkneipe besonders aus hygienischen Gründen für eine Institution, deren völliges Verschwinden sehr wünschenswert wäre. An der Hand gelegentlicher Untersuchungen ist festgestellt worden, daß in Berlin 30°/0 aller Kellnerinnen geschlechtskrank sind. Welch eminente Gefahr dieser Umstand bedeutet, ist danach leicht zu ermessen, zumal das ganze Wesen der Animierkneipe auf der Aufstapelung geschlechtlicher Instinkte basiert. Der starke Alkoholgenuß, der mit dem Besuche solcher Lokale gewöhnlich verbunden zu sein pflegt, erhöht diese Gefahr ganz außerordentlich durch die ihm folgende Sorglosigkeit, ganz abgesehen von den sexuellen Reizwirkungen des Alkohols. Eine sanitäre Kontrolle der Kellnerinnen ist dabei sehr schwierig, da diese durchweg ohne jegliche Kündigung angestellt und heute hier, morgen dort beschäftigt zu sein pflegen. Und wenn auch in den Kneipen selbst nur selten direkte sexuelle Ausschweifungen vorkommen mögen, so bietet sich doch den Kellnerinnen durch die in den Lokalen gemachten Herrenbekanntschaften außerhalb ihrer Stellung vielfache Gelegenheit zur Prostitution, ohne daß sie der Sittenpolizei verfallen, da sie meistens jederzeit eine Beschäftigung nachzuweisen vermögen."

Die Besucher dieser Kneipen sind keineswegs nur „Provinzonkel oder Lebegreise", sondern sehr häufig junge
        
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