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Was fließt im Jahr durch die Gurgel Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

42 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins.

kaiserkellers (623 309 Flaschen), eine andere bekannte Weinfirma in der Leipziger Straße setzt ca. 2 Millionen Flaschen im Jahre um, in den Rheinischen Weinstuben, ebenfalls in der Leipziger Straße, werden jeden Tag im Durchschnitt 300 Flaschen Rotwein, 500 Flaschen Mosel- und Rheinwein und 300 Flaschen Sekt durch die Gurgeln gegossen. Die Oswald Merschen Weinstuben, bekannt durch ihre un-gegipsten Weine, welche in den achtziger Jahren über ganz Berlin zerstreut waren, finden sich jetzt nur noch vereinzelt und haben den modernen Unternehmungen nicht standhalten können.

Viele der kleineren Weinlokale haben auch die sog. Charnbres separes, in denen nach uraltem Vorbild sich Bacchus und Venus vereinigen, um nur zu oft dem Menschen Gesundheit, Würde und Geld zu nehmen.

In ungleich höherem Grade ist dies freilich in den Animier- oder Damenkneipen der Fall,. die unter den Fallgruben Berlins wohl als die gefährlichsten anzusehen sind. „Anständige" Restaurants mit weiblicher Bedienung gibt es in Berlin im Gegensatz zu Süddeutschland nur wenige. Um so zahlreicher sind die von außen durch bunte Laternen erkenntlichen keipen „mitDamenbedienung", deren Besitzer vielfach auf den belebteren Straßen Zettel verteilen lassen, durch die sie die mehr oder weniger zum „Bummeln" aufgelegten Passanten anlocken. Die „fesche", „freundliche", „gemütliche" oder „liebenswürdige" Wirtin ladet die „hochgeehrte Herrenwelt" ein, ihr Lokal mit Namen „Paradies", „Feentempel" oder „Zur lauschigen Grotte" zu besuchen, in denen „üppige Orientalinnen" — aus Rixdorf stammend —, „echt indische Bajaderen" — aus Kattowitz —, „hochelegante Französinnen" — aus Französisch Buchholz bei Berlin — eigenhändig die Gäste bedienen. „Reizvollste Unterhaltung", „ungeahnte Wonnen", „ein toller Rummel", „ein Leben und Treiben wie in Monte Carlo" werden in Aussicht gestellt. Nicht selten sind die meist auf rosa	Papier gedruckten Einladungen auch	in	Versen	abgefaßt;	so	heißt	es von einem Lokal dieser	Art	im	Norden

Berlins:

„Da	schafft ein jeder Lebemann

Sich	schnell was für sein Herze	an,
        
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