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Was fließt im Jahr durch die Gurgel Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

40 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins. 
ursprünglich nur einen sog. Imbiß (kaltes Frühstück) und 
Bier gab. Sitzgelegenheit war fast nicht vorhanden. Die 
ältesten Stehbierhallen befanden sich in der Niederwall- 
straße, eingerichtet von Kühne, und an der Potsdamer 
Brücke, eingerichtet von Fritz Aschinger, einem verstorbenen 
Bruder der jetzigen bekannten Aschingers, der im Gegensatz 
zu seinen Brüdern aus dem Gastwirtsstande hervorgegangen 
war und als eigentlicher Vater des Stehbierhallengedankens 
gelten mutz. Die Stehbierhallen in Berlin hat die Aschinger- 
gesellschaft jetzt fast ganz in die Hand genommen. Außer 
ihren zahlreichen Filialen gibt es nur wenige konkurrenz- 
unternehmungen, die meisten dieser Art sind zu einfachen 
Destillationen herabgesunken. — Wie einträglich das Steh- 
bierhallengeschäft sein kann, beweist der Werdegang der 
Firma Aschinger. 
In den siebziger Jahren fast mittellos aus Württemberg 
nach Berlin gekommen, haben die Gebrüder Larl und 
August Aschinger durch dieses für die Berliner bis damals 
neue Unternehmen es zu großer Bedeutung und zu großem 
Reichtum gebracht. Die Aschingerschen Bierquellen unter¬ 
halten eigene Bäckereien, Konditoreien, Schlächtereien usw., 
wodurch sie den Zwischenhandel ganz ausgeschaltet haben. 
Es versteht sich von selbst, daß bei dem Aschingerschen 
Unternehmen größere Brauereien und Industriegesellschaften 
beteiligt waren. 
Schon einmal — im Jahre 1827 — hatte ein ge¬ 
borener Württemberger, Georg Leonhard Hops, eine be¬ 
deutsame Umwälzung in der Berliner Biergeschichte her¬ 
vorgerufen. Nachdem er längere Zeit als Küfer in der 
bekannten Habelschen Weinhandlung gearbeitet hatte, er¬ 
richtete er in diesem Jahre in dem neben dem Kriegs¬ 
ministerium gelegenen Hause Leipzigerstraße 6 die erste 
Berliner Brauerei, in der Bier „auf baltische Art" ge¬ 
braut wurde. Ein Waschhaus ward mit einem Kessel ver¬ 
sehen, das Erforderliche angeschafft, und der erste Versuch 
fiel im allgemeinen zur Zufriedenheit Hopfs aus, nur war 
das Bier obergärig und konnte deshalb lediglich als 
Flaschenbier Verwendung finden. Sein Geschmack glich 
dem des Potsdamer Stangenbieres. Im Jahre 1880 er¬ 
warb Hops, der inzwischen einen Geldmann gefunden
        
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