Path:
Was fließt im Jahr durch die Gurgel Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

Was fließt tm Jahr durch die Gurgel Berlins? 37 
werden zum Teil in riesigen „Bierpalästen" ausgeschenkt, 
die fast ausnahmslos erst nach 1871 entstanden sind, vor¬ 
her trank man echte Biere nur in den „feinen Frühstücks¬ 
stuben" von Gerold, Iagor, Thiermann. 
Man kann die Berliner Gastwirtschaften gegenwärtig 
in mehrere große Hauptgruppen gliedern; zunächst in den 
Hotel- und den Restaurationsbetrieb. Zwischen beiden könnte 
eine ziemlich strenge Scheidelinie gezogen werden, wenn 
nicht heute mit allen modernen Hotels auch ein Restaurant 
verbunden wäre. In den meisten großen und in den 
meisten kleineren Hotels werden die Restaurants von dem 
Hotelbesitzer betrieben, der auch das Betriebskapital stellt. 
Diese mit den Hotels verbundenen Restaurants bedeuten 
nicht etwa nur eine Bequemlichkeit für die das Hotel be¬ 
suchenden Fremden, sondern sind meistens zugleich selb¬ 
ständige Großbetriebe für die Bewirtung und Zerstreuung 
des einheimischen Publikums. Es sei erinnert an die vor¬ 
nehmen Weinrestaurants im Hotel Bristol, Hotel de Russie, 
Savoy- und Larlton-Hotel, Kaiserhof usw.; ferner an den 
Bierpalast „Zum Heidelberger" im Zentral-Hotel. Nur in 
den seltensten Fällen sind die mit einem Hotel verbundenen 
Restaurantbetriebe anderweitig verpachtet. Es liegt ja 
dieses auch in der Natur der Sache, da der Hotelbesitzer, 
dem ausreichende Kapitalien zur Seite stehen, das Ge¬ 
schäft durch die Verproviantierung der Fremden leicht selbst 
mitnehmen kann. 
Unter den eigentlichen Restaurationen sind zunächst die 
Brauereiausschänke zu nennen mit großen Sälen und 
Gärten, in welchen natürlich lediglich diejenigen Biere zum 
Ausschank kommen, welche die betreffende Brauerei braut. 
Das Inventar gehört sämtlich der Brauerei. Die Wirte 
sind nur Cltonome, die eine sog. Tonnenpacht zahlen. Es 
folgen die sog. „Restaurants", welche namentlich vom 
Bürgerstand zahlreich besucht werden. Hier wird hauptsäch¬ 
lich einheimisches „helles" und „dunkles" Münchener Bier 
getrunken, daneben Wein, Kognak und Schnäpse aller Art. 
Die Inhaber sind meist aus dem Kellnerstand hervorge¬ 
gangen und Mitglieder des Berliner Gastwirtsvereins, der 
mit den Gastwirtsvereinen anderer Städte zu dem großen 
deutschen „Gastwirtsverband" organisiert ist. Letzterer ver-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.