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Was fließt im Jahr durch die Gurgel Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

- tetskibliotHek grot-bertin

Was flietzt^m Iahr durch die Gurgel Berlins? 33

tut Kollege Hülsen, aber ick nid), bet wäre jrade so, als wenn ick mir bei Ierson 'ne Mcmtille koofe un jedesmal, wenn ick se umbinde, davor bezahlen soll." Der Dichter strich am andern Tage 16 Taler ein und war zufrieden.

In den Zwischenpausen, die dreiviertel Stunden dauerten, hatte man Zeit zur Stärkung. Schwer beladen sah man dann den alten Kellner Pausewein mit Frikassee und Gänseklein, welche Mutter Gräberts Spezialitäten waren, durch den Garten rennen.

An originellen Lokalen, welche durch Besonderheiten irgend welcher Art die Gäste anziehen, ist überhaupt in Berlin niemals Mangel gewesen; da ist „der grobe Gottlob", der lange durch seine urwüchsigen Derbheiten das Publikum fesselte, der „stramme Hund", in dem Droschkenkutscher und Studenten sich einträchtig nebeneinander nach Mitternacht an den Spezialgerichten, Löffelerbsen mit Speck, Bohnensuppe und kalten Kotelettes delektieren, der „Einsiedler", wo seit 30 Jahren der bekannte Hibbe, ein ehemaliger Student der Theologie, „mimt", der so manchem hohen Herrn einst in seinen Akademikerjahren frohe Stunden bereitete, der „Leichenkeller", die „Giftbude", die „Katzenmutter" und viele andere. Alle diese Lokale sind für das Berlinertum viel typischer wie die aus Paris künstlich hierher verpflanzten Wein- und Bierkabaretts, die für die Wirte auch nur ein Mittel zum Zweck sind, alkoholische Getränke abzusetzen.

Der Humor des Berliners tritt in Verbindung mit den Trinkgewohnheiten unverfälscht zutage. In drolligen Redewendungen, in denen zum Teil die Neigung, sich vor sich selbst zu entschuldigen, unverkennbar ist, bestellt er ein Glas nach dem andern. Er tritt in die Wirtschaft, um „die schlechte Laune zu ertränken", oder um einen zu „genehmigen" oder gar, um einen zu „verhaften" (dies besonders vom Schnaps). Beim zweiten Glas heißt es: „auf einem Bein kann man nicht stehen", beim dritten: „aller guten Dinge sind drei." Das vierte fordert er mit den Worten: „na, nun trinken wir noch ein Tröppchen." Dann kommt „eins zum abgewöhnen" und darauf „noch eins zum abgewöhnen"; dann wird noch „einer geschmettert" und einer „gehoben", um „die nötige Bettschwere" zu haben, bis der Gast, meist

Grotzstadt^Dokumente Bd. 41.	3
        
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