Path:
Was fließt im Jahr durch die Gurgel Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

__________Was	fließt im Iahr durch die Gurgel Berlins? 29

mit hinauskämen nach dem Steinhaufen aus dem Bernauer Wege, in den er die Kanne vergraben hatte; denn daß der noch da war, davon hatte er sich vorher überzeugt. Da gingen Meister und Meisterin und auch die Nachbarn mit hinaus, und wie man nun die Steine wegräumte, stand der Krug noch unversehrt da; als man ^aber gar den Deckel hob, da hatte sich das Bernauer Bier nicht nur gut gehalten, sondern war noch duftender und schöner geworden denn zuvor." So die Sage. Trotz solcher Güte wurde aber allmählich das Bernauer, wie alle Gerstenbiere in der Mark, durch die Weizenbiere verdrängt, welche nach dem Dreißigjährigen krieg aufkamen, bis in der Neuzeit wiederum das bairische Bier sie zu verdrängen anfing.

Unter den Weinsorten war der „Gubener" geschätzt, doch wurden im sechzehnten Jahrhundert auch schon aus Welschland Weine importiert.

Vor allem war aber damals Berlin noch selbst eine weinbauende Stadt, woran noch heute die Weinmeisterstraße, die Weinstraße und der Weinbergsweg erinnern. Denn hier sowie in der Gegend, wo sich jetzt die Lharits erhebt, ferner dort, wo gegenwärtig Schloß Monbijou, der Alexanderplatz, die Hasenhaide und der Kreuzberg liegen, erhoben sich die Berliner Weinberge; um das Jahr 1500 zählte von den noch nicht vereinigten Schwesterstädten an der Spree Berlin 55 Weinberge und 19 Weingärten, das kleinere Kölln 15 Berge und 7 Gärten, in denen „unter märkischer Sonne" „blaue", „rote", „gescheckte" und „sonderbare" Weine gediehen. Von letzteren waren besonders beliebt der „liebliche Petersilienwein" und der dunkelrote „Tintenwein", mit dem man „auch schreiben konnte, als wäre er rote Tinte". Noch im Jahre 1595 erzeugte Berlin 36 Tonnen Wein, die 144 Taler brachten, eine nicht unbeträchtliche Summe, wenn man bedenkt, daß das Quart nur 12 Pfennige kostete. Erst vorn Beginn des 18. Jahrhunderts ging der Berliner Weinbau unter der starken konkurrenz auswärtiger Erzeugnisse zurück, und als wieder einmal einige strenge Winter kamen, vor allem der des Iahres 1740, in welchem fast alle Berliner Weinstöcke erfroren, fingen die meisten Weinbauer an, dem mit weniger Risiko verknüpften Getreidebau den Vorzug
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.