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Was fließt im Jahr durch die Gurgel Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

28 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins.

steigequartiere für die den Markt in Berlin und kölln besuchenden Fremden, von denen die Mehrzahl „privat logierte". Hohe Herrschaften stiegen überhaupt nicht in Gasthäusern, sondern im Rathause ab, wo sie auch vorn Rat bewirtet wurden.

Unter Joachim II. kam es seitens des Rates zu einem Verbot, an welches noch heute eine Redensart erinnert. Vor dem Bernauschen Bierkeller in Berlin und am Gertraudentore in Kölln wurden vergitterte käsige aufgestellt, in welchen aufgegriffene Betrunkene ihren Rausch ausschlafen mutzten, um später von den zahlreichen Gaffern verhöhnt zu werden. Diese Käfige wurden von den Bürgern auch „Narrenkiften" oder „Affenkäfige" genannt, woher die noch jetzt üblichen Redewendungen „einen Affen haben", „sich einen Affen kaufen" usw. stammen.

Zu damaliger Zeit erfreuten sich das Bernauer und das Zerbster Bier in Berlin besonderer Beliebtheit. Vom Bernauer Bier ging eine alte Biersage, die aus dem Dreißigjährigen kriege stammt. „Ein Bernauer Junge," so wird berichtet, „war bei einem Berliner Schuhmacher in der Lehre. Die Frau Meisterin führte ein sehr strenges Regiment. Deshalb erschrak der Iunge gar sehr, als diese ihm eines Tages, als Besuch eintraf, eine zinnerne Kanne gab und ihm auftrug, Bernauer Bier zu holen. Daß es Bernauer Bier in Berlin geben könne, der Gedanke kam ihm nicht in den Sinn; so wanderte er denn zum Georgentor hinaus, um aus seiner Vaterstadt Bernauer Bier zu holen. Obwohl man ihm dort einen vollen Krug mit Bier mitgab, wurde dem Jungen, der sich erheblich verspätet hatte, der Gedanke unheimlich, vor die Meisterin hinzutreten. Endlich faßte er einen Entschluß. Er vergrub die Kanne in einen Steinhaufen und ging in die weite Welt. Viele Jahre waren darüber hingegangen. Da hielt eines Tages ein Reiter vor dem Hause des Schuhmachers. Es war unser Zunge, der, inzwischen herangewachsen, Kriegsdienst genommen und es durch Mut und Tapferkeit bis zum Rittmeister gebracht hatte. Die Leute wollten es zuerst gar nicht glauben, daß er der Junge sei, der ihnen mit der zinnernen Kanne, wie die Meisterin sich ausdrückte, durchgegangen sei. Da bestand er darauf, daß sie alle
        
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