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Was fließt im Jahr durch die Gurgel Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

22 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins. 
Inzwischen hatte sich der Weinbau bis an die Grenzen 
verbreitet, welche die Witterung ihm im mittleren Deutsch¬ 
land setzte. In Norddeutschland haben die Germanen, 
bald nachdem sie sich seßhaft machten, versucht, aus der 
Gerste, die angelsächsisch „bere" hieß, ein alkoholisches Ge¬ 
tränk herzustellen. Besondere Verdienste hatte sich um die 
Braukunst am Ende des zwölften Jahrhunderts Johann \ f 
der Herr von Flandern und Brabant, erworben, so daß er 
unter dem Namen Jan primus — (gmmbrtnus allmählich 
zum sagenhaften Schutzpatron der Brauer avancierte. Aber 
erst viel später gelang es vor allem durch die Hopfuna 
ein wirklich schmackhaftes und haltbares Bier zu gewinnen, 
dessen Gebrauch bald so um sich griff, daß Martin Luther 
eines Tages ausrief: „Wer das Bierbrauen erfunden hat. 
ille fuit pestis Germaniae." 
Noch bedeutsamer aber für die Geschichte des Alkoholis¬ 
mus war es, daß in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts 
Übertrag M^_525 
den Wirt täglich 1 M. Der Wirt bezieht die Wäsche von 
einem Verleihgeschäft und zahlt für die beiden Anzüge des 
Kellners und des Zuträgers, die jeden zweiten Tag ge¬ 
wechselt werden, 1,20 M. Ergibt einen Gewinn von 80 Pf. 
in zwei Tagen, einen Monatsgewinn von 12 M., bei 
15 Kellnern von M. 180 
Von der Garderobe bezieht der Wirt eine Monatspacht 
von M. 400 
Von der Toilette im zweiten Stock als Pacht . . M. 300 
Von der Toilette im Erdgeschoß M. 100 
Von der Toilette im ersten Stock M. 100 
Die Blumen- und Postkartenverkäuferinnen zahlen an 
den Wirt zusammen täglich 7,50 M., ergibt eine Monats¬ 
einnahme von M. 225 
Der Silhouettenschneider zahlt an den Wirt 5 M. den 
Tag, also im Monat M. 150 
Das macht alles in allem im Monat M. 1980 
Die Monatseinnahme des Wirts von seinen Angestellten be¬ 
trägt also rund 2000 M., macht 24000 M. im Jahre. 21nd diese 
24000 M leisten die Angestellten im wesentlichen aus ihrer Ein¬ 
nahme an Trinkgeldern. 
Man hat nicht ohne Grund darauf hingewiesen, daß im 
Kellnergewerbe vielfach eine ganz ungewöhnliche Ausnutzung der 
Angestellten Platz gegriffen hat, indem diese nicht nur ohne Lohn 
des Arbeitgebers tätig sind, sondern von ihrem Verdienst an den¬ 
selben noch Abgaben leisten.
        
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