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Wer hilft dem alkoholkranken Körper Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

128 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins.

heitlichen Staatswesens nicht würdig, griffe zu sehr in per. sönliche und wirtschaftliche Selbstbestimmungsrechte. Dieser Einwand trifft schon deshalb nicht zu, weil er mehr oder weniger für alle Gesehesparagraphen gilt. Prof. Bunge zieht in seiner berühmten Broschüre „Die Alkoholfrage" eine Parallele zwischen den beiden Berauschungsmitteln Alkohol und Morphium, die sehr zu denken gibt. Er sagt: „Hier wird doch tatsächlich der einzelne durch die Staatsgewalt geschützt gegen die eigene Schwäche. Es ist in hohem Grade charakteristisch, daß jahraus jahrein Hunderte von Ärzten der Morphiumsucht verfallen, weil sie die einzigen sind, die sich das Gift leicht verschaffen können; sie sind die einzigen, denen die Wohltat der staatlichen Bevormundung nicht zuteil wird. Hier sieht man doch, daß die Intelligenz den Menschen nicht schützt; niemand sieht ja das Verderben so klar vor Augen, als der Arzt; er bedarf der Bevormundung zum Schutz gegen die eigene Schwäche."

Grade die Staaten, welche die freiheitlichsten Einrichtungen haben, besitzen die umfangreichste Alkoholgesetzgebung, es seien nur die Vereinigten Staaten, die Niederlande, die skandinavischen Reiche genannt. Allerdings haben die verschiedenen Völker zu sehr mannichfachen Maß. nahmen gegriffen.

Man hat die Alkoholproduktion einzuschränken, die Zahl der Schankstellen zu vermindern gesucht, man hat Gesetze erlassen, welche jeder Gemeinde die Befugnis erteilen durch Majoritätsbeschluß der Einwohner den Verkauf alkoholischer Getränke auf ihrem Gebiet zu untersagen (LoKal-Options-Gesetze), einige Staaten haben sogar den Handel mit berauschenden Genußmitteln gänzlich verboten (Prohibition). Man hat den Getränkehandel in bezug auf die Kundschaft (z. B. auf Minderjährige und Trunkenbolde), sowie nach Ort und Zeit beaufsichtigt (Polizeistunde). Man hat zu verschiedenen Monopolsystemen seine Zuflucht genommen, sei es staatlichen wie in Rußland, sei es solchen in der Hand gemeinnütziger Gesellschaften wie in den nordischen Staaten. Man hat es mit möglichst hohen Schank-lizenzen versucht, „damit sich das Geschäft nicht rentiert," oder eine recht hohe Besteuerung der alkoholischen Getränke selbst, Wein-, Bier- und besonders Branntweinsteuer in
        
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