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Wer hilft dem alkoholkranken Körper Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

122 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins. 
des Mäßigkeitsvereins gehörten nicht nur zahlreiche unserer 
hervorragendsten Mediziner und Juristen, sondern auch be¬ 
deutende Politiker, wie Miquel, ja sogar die Generalfeld - 
marschälle Graf MoltKe und Herwarth von Bittenseld. Aus 
dem ersten Aufruf an das deutsche Volk sei folgender Satz 
hevorgehoben: 
„Nicht Fluten noch Seuchen richten in unserem Lande 
entfernt so allgemeine und tiefgehende Verheerungen an, 
wie eine andere gefährliche Landplage, die unausgesetzt seit 
langen Jahren, geschützt von Vorurteil, gefördert von Eigen¬ 
nutz, an dem Marke unseres Volkslebens zehrt. 
Es ist die Trunkfälligkeit, an ihrer Spitze die Trunk¬ 
sucht." 
Sehr interessant ist es, zu beobachten, wie sich der 
Mäßigkeitsverein aus einer Organisation gegen die Trunk¬ 
sucht und den Branntwein allmählich in eine solche gegen 
den Alkoholismus überhaupt entwickelt hat. Während 
über den „Zweck" in den alten Satzungen oom Jahre 1883 
gesagt wird: 
„Der Verein hat die Aufgabe, dem Mißbrauch geistiger 
Getränke, insbesondere des Branntweins, mit allen zu 
Gebote stehenden Mitteln, und zwar sowohl in aufklärender 
und vorbeugender Weise, wie im Kampfe gegen das be¬ 
reits zutage getretene Äbel zu steuern", heißt es in den 
neuen Satzungen vom Jahre 1901: 
„Der unter dem Namen ,Deutscher Verein gegen den 
Mißbrauch geistiger Getränke' am 29. März 1883 be¬ 
gründete Verein hat den Zweck, mit allen ihm zu Gebote 
stehenden Mitteln dem Mißbrauch geistiger Getränke im 
Deutschen Reiche und seinen Kolonien zu steuern." 
Die Kolonien wurden besonders benamt, nachdem fest¬ 
gestellt war, daß nach „zuverlässigen Erhebungen von 
31 Millionen Mark Wert der deutschen Importe im west¬ 
lichen Afrika nicht weniger als 12 Millionen auf Rum 
fallen, und zwar in einer Beschaffenheit, bei welcher der 
Wert des Stoffes zurückbleibt hinter dem der Flaschen und 
der Etikettierung". 
Um seinen Zweck zu erfüllen, fordert der Verein in 
seinem allgemeinem Arbeitsprogramm: I. Soziale Reformen. 
II. Belehrung über die Folgen des Alkoholmißbrauchs und
        
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