Path:
Wer hilft dem alkoholkranken Körper Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

Wer hilft dem alkoholkranken Körper Berlins? 119

Angesichts dieser Sachlage, die mir von verschiedenen Seiten bestätigt wird, wäre es wirklich einmal an der Zeit, daß sich auch die Baugewerkschaften mit der Alkoholfrage beschäftigten.

So sehen wir in der deutschen Abstinenzbewegung alle Anschauungen, von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken, vertreten. Der orthodoxe Geistliche und der organisierte Sozialdemokrat vereinigen sich, soweit ihre Meinungen auch sonst auseinander gehen mögen, in dem Wunsche, die Alkoholgefahr aus unserem Vaterlande zu bannen. Man könnte geneigt sein, in der Mannigfaltigkeit der hier in Betracht kommenden Vereine und Vereinchen eine Zersplitterung der Kräfte zu erblicken. Doch scheint es mir im Gegenteil, als ob gerade der Durchbruch der gleichen Idee und die energische Arbeit dafür in so verschieden gearteten Kreisen nicht-nur sehr für die Berechtigung des Erstrebten spricht, sondern auch der Hoffnung Raum gibt, daß einst, wenn die Frucht reif, sich im Volke und der Volksvertretung Männer aller Parteien, wie gegen einen äußeren Feind, gegen den inneren Erbfeind Alkohol zusammentun werden.

Immerhin haben sich, um einer zu starken Dezentralisation entgegen zu wirken, in den letzten Jahren in Berlin wieder zusammenfassende Verbände gebildet, denen fast alle wichtigen antialkoholistischen Vereine mit Ausnahme des alleinstehenden Arbeiterabstinentenbundes angehören; es sind das der Verband Berliner Abstinenzvereine unter Dr. Streckers Vorsitz und der aus 30 Vereinen bestehende Zentralverband zur Bekämpfung des Alkoholismus, dessen erster Vorsitzender der wirkl. Geh. Oberreg.-Rat Senatspräsident Dr. v. Strauß und Torney ist.

Wenn man berücksichtigt, daß die deutsche Abstinenzbewegung, von der ich hier eine Übersicht zu geben mich bemühte, eben erst ein viertel Jahrhundert alt ist, so darf man wohl nach solcher Iugendzeit eine erfolgreiche Lebenshöhe erwarten.

Worten der von Friedrich dem Großen Quintus Scilius genannte Oberst Gutchard das französische „nourriture pour l’esprit“ (»geistige Nahrung") übersetzte, oom Berliner Volkswitz als „Spiritus ist ein Nahrungsmittel" gedeutet.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.