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Wer hilft dem alkoholkranken Körper Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

118 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins.

die Straße laufen/ Die Baukantine wird mit den Maurer-, Arbeiter- und Gerätbuden zusammen aufgeführt und gebaut. Ich habe schon Baukantinen gesehen, wo es tüchtig herein-geregnet hat und wo, da kein Fußboden vorhanden war, der Lehm tüchtig aufgeweicht war. Da die Pacht oder die Miete sehr hoch ist, sucht der Betreffende es wieder aus den Konsumenten herauszuschlagen. Wenn bei einem anderen Bau der Hausdiener des benachbarten Budikers täglich dreimal kommt, so ist der Baubudiker, der an Ort und Stelle wohnt, immer da. Morgens, wenn man die Baustellen betritt, begrüßt er die Leute schon, und kaum haben sie angefangen zu arbeiten, so ist der Budiker schon da, und nun geht's von 7 Uhr früh bis 6 Uhr abends mit den Worten: ,3uten Morgen, na willste noch eenen nehmen' oder ,Ick habe für dich eenen mitgebracht, na nimm man schon' oder ,Brauchste wat, na kofe mir man wat ab' oder er schreit immerfort: ,Der Budiker ist hier, der Budiker ist hier!' oder ,Wer will noch einen!' So geht es den ganzen Tag. Wer nun nichts kauft, wird nicht beachtet, und wenn zufällig der Polier mit dem Budiker gut steht, sogar entlassen. Um den Besuch in den Kantinen etwas zu heben, wird ein Dienstmädchen angenommen oder die Frau bekommt Besuch von Freundinnen, die sich dann, mit der weißen Schürze, oft sehen lassen müssen. Oft kommen auch die Mädchen die Leitern herauf und suchen die leeren Pullen zusammen. Das geschieht alles meist aus Berechnung. Am meisten wird bei den Akkordarbeitern — Akkordmaurern, Akkordputzern, Ak-kordträgern — getrunken; die können noch soviel zusammenschuften, die Hälfte bleibt bei dem Budiker." *

* Daß auch schon früher und anderswo die Bauarbeiter eine besondere Vorliebe für alkoholische Getränke gehabt zu haben scheinen, zeigt folgende, aus den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende Hausinschrift an dem Giebel eines Eauernhauses bei Osnabrück:

„Erbaut ohne Bier und Branntewein,

Soll dieses Haus ein Zeugnis sein,

Daß Mauermann und Zimmermann Auch ohne Branntwein bauen kann."

Übrigens wird die bekannte Inschrift an der Königlichen Bibliothek in Berlin: „Nutrimentum Spiritus“, mit welchen
        
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