Path:
Wer hilft dem alkoholkranken Körper Berlins?

Full text: Die Gurgel Berlins / Hirschfeld, Magnus

116 Großstadt-Dokumente Bd. 41. Die Gurgel Berlins.

Bremen waren es 6 Orte und 4 weitere Orte, aus denen Einzelgenossen den Antrag stellten. In Zena 1905 waren es bereits 20 Orte, in Mannheim 1906 32 Parteivereine und Genossen aus weiteren 13 Orten. Bezeichnend für den beginnenden Umschwung der Meinung ist aber besonders die Stellungnahme Bebels.	1899	in Hannover bezeichnete	er

noch die Alkoholfrage als „kleinkram", mit dem man die Partei nicht behelligen	dürfe,	1906	erklärte er, daß	es

„bei dem Umfange, den die Bewegung angenommen hat, dringend notwendig ist, die Frage einmal zu erörtern".

Auch in den Gewerkschaften widmet man allmählich der Frage größere Aufmerksamkeit; die Zahl der Verbände, die auf ihren Verbandstagen sich gegen den Alkohol genuß wenden, nimmt	sichtlich zu.	Besonders seien	er-

wähnt die Bergarbeiter (alter Verband), deren Generalversammlung Pfingsten	1905	„alle	Verbandsangestellten,

Redner und Vertrauensleute verpflichtete, energisch Propaganda gegen den Alkoholismus zu entfalten". Der Verbandstag der Fleischer, Herbst 1905, beschloß, „daß in Zukunft im Fachblatt eindringlich auf die Schädlichkeit des Alkohols hingewiesen werden soll".

Die Iahreskonferenz der „Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften", Januar 1907, beschloß, „die agitatorisch tätigen Genossen zu verpflichten, bei der Agitation, insbesondere in Versammlungen, in bezug auf die Alkoholfrage aufklärend zu wirken". Wie notwendig dies ist, zeigt folgender Passus aus den letzten Berichten der Gewerbeinspektionen:

„Den Bemühungen, den Genuß alkoholischer Getränke einzudämmen, wird empfindlich im Landespolizeibezirk Berlin Abbruch getan durch den sich leider immer mehr ausbreitenden Bierausschank in Fabriken. Es genügt nicht mehr, daß die Arbeiter ihr Bier selbst mitbringen ober daß Bier in Flaschen verkauft wird; in verschiedenen Betrieben werden Bierdruckapparate in den Arbeitsräumen aufgestellt, aus denen zu jeder Zeit verzapft wird. Meist liegt der Vertrieb in den Händen der Arbeiter selbst, wo durch der Bierpreis herabgesetzt und der Verbrauch ge fördert wird. Diese Einrichtungen, welche von den Bierverlegern jede Förderung erfahren, findet man besonders
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.