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6. Im öffentlichen Leben. Lehrer als Parlamentarier und Politiker. Im Dienste der Selbstverwaltung. Im kirchlichen Leben. Abseits vom Volke.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

6. Im öffentlichen Leben.

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Wie in der Politik, so drängt auch in der Religion der Erzieherberuf zu freisinnigen Auffassungen. Die Religion soll im Kinde lebendig werden und sich mit dem Inhalte des Gesamtunterrichtes zu einer einheitlichen Weltanschauung verbinden. Dadurch wird die Pädagogenschaft mit der liberalen Theologie zusammengeführt. In einer Reihe von Synoden waren Lehrer und Rektoren immer die Stimmführer der Liberalen. Am bekanntesten ist durch seine kirchlichen Kämpfe der vor einigen Jahren verstorbene Rektor Schumacher in der Zionsgemeinde geworden. Zn die Schulstube schlagen die Wellen dieser zeitweise äußerst heftigen Kämpfe nur selten hinein. Hier begegnen sich die Parteien meist friedlich. Die in Berlin geschaffene Grenzregulierung zwischen Schule und Kirche kann also für großstädtische Verhältnisse wohl als mustergültig gelten, während in kleineren Ortschaften auch ein beschränktes Aufsichtsrecht der Geistlichen über den Religionsunterricht der Lehrer bereits als drückend empfunden wird.

Wie die katholischen Lehrer zu ihrer Kirche und zur Psarrgeistlichkeit stehen, tritt öffentlich wenig hervor. Anscheinend haben sich aber auch dort ganz annehmbare Verhältnisse herausgebildet.

Ein Mangel im öffentlichen Leben Berlins, der die Lehrer näher angeht, ist das Fehlen von Volksbildungsvereinen. Mag man diesen Mangel in der Bevölkerung selbst auch nicht fühlen, er ist doch vorhanden. Die belehrenden Vortrüge der politischen und Fachvereine können das nicht bieten, was ein guter Volksbildungsverein leisten würde. Hier ist eine Ausgabe für die Zukunft zu lösen. Ein Netz von Volksbildungsvereinen, in denen Wissenschaft und Kunst in volkstümlichem Gewände der Bevölkerung, und zwar allen kreisen gemein-
        
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