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6. Im öffentlichen Leben. Lehrer als Parlamentarier und Politiker. Im Dienste der Selbstverwaltung. Im kirchlichen Leben. Abseits vom Volke.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

76 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Berliner Lehrer.

sich verhalten, hat derselbe Gelehrte berechnet. Von je 10000 Kaufleuten hatten 660, von den Rentiers 1340, von den Fabrikbesitzern und Fabrikanten 670, von den Rechtsanwälten 300, von den Ärzten 350, von den Philologen 480, von den Theologen 1570 ein städtisches Ehrenamt übernommen. Von den VolKsschullehrern 4854. Dagegen saßen zur selben Zeit 24 Kaufleute, 23 Rentiers, 10 Fabrikbesitzer und Fabrikanten, 10 Rechtsanwälte und 5 Arzte in der Stadtverordnetenversammlung. Die Volksschullehrer besitzen das passive Wahlrecht zur Stadtverordnetenversammlung nicht, sind also darin auch nicht vertreten. Selbst einen bescheidenen Platz in der Schuldeputation mutzte die Lehrerschaft sich erst erkämpfen.

Daß die evangelischen Lehrer Berlins an den kirchlichen Vertretungen und an den kämpfen, die der Wahl der kirchlichen Körperschaften vorausgehen, lebhaft beteiligt sind, liegt in der Natur der Sache. Nur für wenige Lehrer sind Religion und Kirche eine Angelegenheit, um die sie sich nicht ernstlich kümmern. Sie sind in der übergroßen Mehrzahl zugleich Religionslehrer, müssen sich also damit abfinden, was auf theologischem Gebiete und in der Zechenverwaltung geschieht. Die Geistlichen haben auch ein, allerdings beschränktes, Aussichtsrecht über den Religionsunterricht. Die im Lande noch bestehende geistliche Aussicht über den Gesamtunterricht ist dagegen in Berlin seit den 70 er Jahren beseitigt. Deswegen wird das gute persönliche Einvernehmen zwischen Geistlichen und Lehrern durch amtliche Verhältnisse selten gestört. Die Lehrer sind den Geistlichen nicht untergeordnet und können sich je nach ihren religiösen oder kirchlichen Anschauungen diesen gegenüber oder an die Seite stellen, mit ihnen oder gegen sie ihre Auffassungen vertreten, ohne irgend welche Mißdeutungen dadurch hervorzurufen oder amtliche Nackenschläge sich zuzuziehen.
        
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