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4. Im Berliner Lehrerhause. Das Lehrerheim. In den Mietskasernen. Draußen. Erziehung im Lehrerhause. Lehrerfrauen. Ferienglück. Der Lebensabend des Lehrers.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

54 Großstadt-Dokumente Bd. 20. Berliner Lehrer. 
daß eine ganze Familie davon leben kann, und trotzdem 
das Dekorum so wahren, daß ein gewisser Standard 
nach außen hin erscheint. Das ist schwer, und selbst wenn 
der Gatte durch Nebenarbeit noch einiges hinzuerwirbt 
— von 2545 Lehrern hatten irrt Jahre 1902 809 einen 
Nebenverdienst in Höhe von 18 Mk. bis über 2000 Mk.—, 
so ist Schmalhans doch oft Küchenmeister. Wie es ge¬ 
macht wird — ich könnte da manches Geheimnis ver¬ 
raten —, dars ich hier natürlich nicht ausplaudern. Alle 
braven Lehrerfrauen würden mich dann keines Blickes 
mehr würdigen. Der lebenskundige Leser weiß es viel¬ 
leicht auch so. 
Aber die Lehrerfrau hat sicher auch noch ihre be¬ 
sonderen Sorgen. Schularbeit ist für einen nicht be¬ 
sonders glücklich veranlagten Menschen Nervenfolter. 
Mancher eifrige Pädagoge kehrt recht „angekratzt" ins 
FaMilienheim zurück. Was Schüler, Kollegen und Vor¬ 
gesetzte gesündigt haben, mutz dann das arme Weib oft 
ausbaden. Aber auch hart arbeitende Frauenhände können 
ja Falten wegstreicheln. 
Will man die Berliner Lehrerfrauen und die heran¬ 
wachsenden Töchter, studierte, studierende und unstudierte, 
aus einer Stelle zusammensehen, so mutz man die Ver¬ 
gnügungen des Berliner Lehrervereins besuchen, 
für die freilich die größten Gärten und Säle nicht mehr 
grotz genug sind. Dann kann man sich überzeugen, datz 
frischer Lebensmut, ja jugendtolle Ausgelassenheit auch 
hier zu Hause sind, wenn z. B. ein „Iahrmarktssest in 
Alt-Berlin" mit allen Zutaten bei Lipps veranstaltet wird. 
Gemütlicher sind freilich die Festabende, die von den ver¬ 
schiedenen Seminarvereinigungen, in denen die An¬ 
hänglichkeit an die Heimat so schon zum Ausdruck kommt, 
und den Lehrern in einzelnen abgelegenen Stadtteilen 
— Moabit — veranstaltet werden.
        
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