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4. Im Berliner Lehrerhause. Das Lehrerheim. In den Mietskasernen. Draußen. Erziehung im Lehrerhause. Lehrerfrauen. Ferienglück. Der Lebensabend des Lehrers.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

4. Im Berliner Lehrerhause.

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Und die Berliner Lehrerfrau? Sie ist, wie ihr Gatte, meist keine Berlinerin. Die nach Berlin einwandernden jungen Lehrer (und Eingewanderte sind die Berliner Lehrer zu mehr als 75%) haben daheim ihr Herz gewöhnlich schon verloren, oft im Hause eines älteren Kollegen, wo ihnen in tröst- und kulturloser Dorseinsamkeit ein gastliches Asyl geboten wurde. Oft legt auch eine liebreizende junge Kollegin, die Wand an Wand und Tür an Tür mit ihm das Schulzepter schwingt, den unbeweibten Pädagogen in Fesseln. Namentlich in jüngster Zeit wurden Ehen zwischen Lehrern und Lehrerinnen ziemlich häufig geschlossen. Von den Berliner Lehrerinnen heirateten im Jahre 1906 nicht weniger als 43. In diesem Lebensalter ist von dem sonst so oft vorhandenen Gegensatz zwischen den männlichen und weiblichen Pädagogen noch nichts zu spüren, und das mag auch wohl so gut sein. Manche noch so gescheite Lehrerin würde doch im Lehrerhause als häusliche Pädagogin am besten aufgehoben sein und könnte hier ihre Wissenschaft und Kunst aufs vorteilhafteste verwerten. Das bestreiten selbstverständlich alle amtierenden Iüngerinnen Pestalozzis. Aber wenn der geliebte Mann winkt, folgen sie immer gern. Aus materiellen Gründen eine Ehe zu schließen, hat die Lehrerin allerdings keine Veranlassung. Sie erwirbt zwar nicht ganz so viel als ein mit Weib und Kind teilender männlicher Kollege, aber gegen Entbehrung und Not ist sie unter gewöhnlichen Verhältnissen besser geschützt als jener.

Von der Berliner Lehrerfrau weiß die Lokalchronik selten etwas zu berichten. Sie gehört also zu den „besten Frauen". Sie teilt das Los aller großstädtischen Be-amtenfrauen. Sie soll das, was einer erwirbt und was auch dem Junggesellen und dem Kinderlosen gezahlt wird, so dehnen und durch ökonomische Künste so verwerten,
        
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