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3. In der Schule. Jugendlust und Jugendlehre. "Dienst". Politur und Erziehung. Sozialer und kultureller Aufstieg. Konflikte. Schulbriefe. Die Arbeiterfamilie. Eine pädagogisch arme Welt. Absperrung von der Natur. "Landpartien". Revisoren und Vorgesetzte. Die Fortbildungsschule.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

3. In der Schule.

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Kinder sich bemüht und die Obrigkeit nicht vorsichtig vorher fragt, ob die Form auch gebilligt wird, kann sein Eifer statt einer Anerkennung ihm eine Rüge zuziehen. Allgemein bekannt und beliebt, populär im guten Sinne ist deswegen in den Elternkreisen einer Berliner Schule kaum ein Lehrer. Rektoren bringen es zuweilen dahin, aber auch nur vereinzelt. Das ist der Krebsschaden der Berliner Schule. Ihr fehlt das Herzblut. Sie schwebt in der Lust. Der Berliner Lehrer, der von seinem Amte Abschied nimmt, kann nicht sagen: der und der war mein Schüler, ich hals ihm vorwärts, ich gab ihm dies und das mit auf den Weg. Wer sind seine Schüler? Wo sind sie? Es gibt Fälle, in denen es, besonders bei den alten und kleineren Schulen, anders ist, wo sich auch die früher ziemlich zahlreichen Vereine ehemaliger Schüler der x. Gemeindeschule erhalten haben, aber im ganzen ist jede engere Verbindung mit der Bevölkerung gelöst. Die Unrund Durchschulungen werfen einen großen Teil der Kinder wie rechtloses Gut von einer Schule und von einer Klasse in die andere. Auch die „Umschulung" der Lehrer ist kein seltener Fall. Für den Bureaukraten kommt es aus eins heraus, ob ein Lehrer an der 201. oder 210. Gemeindeschule „seine Stunden gibt".

Das Lehramt ist gewiß kein Sonntagsvergnügen, selbst für denjenigen nicht, dem der Verkehr mit der Jugend leicht wird. Es gibt geborene Erzieher, denen das junge Volk fast willenlos folgt, die das schwerste verlangen können, und es geschieht. Auf der Klasse liegt immer Sonnenschein. Die Kinder sind unglücklich, wenn sie die Schule versäumen müssen. Aber wer dieses Geschenk der Natur nicht mitbekommen hat, dem ist der Beruf eine schwere Bürde. Schwerer aber drücken die amtlichen Fesseln: ein unbequemer Vorgesetzter, der mit
        
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