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3. In der Schule. Jugendlust und Jugendlehre. "Dienst". Politur und Erziehung. Sozialer und kultureller Aufstieg. Konflikte. Schulbriefe. Die Arbeiterfamilie. Eine pädagogisch arme Welt. Absperrung von der Natur. "Landpartien". Revisoren und Vorgesetzte. Die Fortbildungsschule.

Full text: Berliner Lehrer / Tews, Johannes

40 Großstadt-Dokumente 93b. 20. Berliner Lehrer.

wie gerade die am wenigsten Begabten und die sittlich Gefährdeten bei den Umschulungen oft von Schule zu Schule wandern müssen, jedes Iahr in eine andere, so will es scheinen, als ob da vieles nicht stimmte. Man verlangt für diese Kinder besondere Anstalten, will die Volksschulen von ihnen „reinigen" und dann auch alle „mittelalterlichen Zuchtmittel" fallen lassen. Schon recht, aber kann man hinter diese Praxis nicht auch große Fragezeichen setzen? Die „Gefährdeten" sind in der Schule für die Normalen in der Regel besser aufgehoben als in besonderen Anstalten, die nur Verlorene und Gefährdete aufnehmen. 3nt gewohnten Kreise gut erzogener Kinder festgehalten, mit Liebe und Strenge geleitet, kann so manches arme Wesen auch im Sumpfe noch etwas werden. Aber als „Ballast", als lästiges Anhängsel, verstoßen und abgeschoben, fallen sie oft schon im Schulalter dem Verbrechen und Laster anheim. Ich habe als junger Lehrer in Berlin O. eine Klasse erhalten, die aus lauter derartigen „auserlesenen" Knaben bestand. Einer hatte 11, ein anderer 9, manche 8, 7 und 6 Schulen nacheinander besucht. Nie aber hat mir eine Klasse mehr Freude gemacht als diese „Ramschklasse". Auch die „Schlechtesten" kamen gern. Die Zucht mutzte freilich etwas streng sein, aber ich konnte auch mit dieser „Elite", wie Kollegen sie nannten, mich ruhig aus die Wanderschaft begeben und Unter den Linden mich grüßen lassen. Es geschah öfter als mit andern Klaffen. Die Zungen waren „anständig" und lernten auch etwas. Vor einem strengen Prüfungstribunal bestanden viele eint Ende des Halbjahres freilich nicht, aber zu meiner großen Freude sagte mir mein Nachfolger, der die „Durchgefallenen" bekam, noch 20 Jahre später bei einem zufälligen Zusammentreffen, wie gerade diese Jungen bei ihm weitergekommen wären. Der „Ramsch" ist vielfach ganz gute
        
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